Hilfe! Wer erlöst mich…? (Kapitel 11)

 Also jetzt kommt nach dem Thriller ein Roman! Und zwar eine Story  für  jung gebliebene Jugendliche und  jung  gebliebene ältere Herrschaften: immer am Sonntag und Donnerstag kommt ein Kapitel – insgesamt sind es 13 Kapitel. Mal sehen wieviel dieses mal durchhalten auf Facebook in meiner Story…

 

Kapitel 11

Freitag der Dreizehnte

Am Freitag den 13. Juni war es dann soweit. Papa war fest davon überzeugt, dass heute die Entscheidung fallen wird:„ Wenn es die Höhle gibt wird sie heute gefunden, da bin ich mir absolut sicher“, tönte er.

„Dein Wort in Gottes Ohr; du weißt gar nicht, was ich dafür geben würde, wenn das alles endlich vorbei wäre“, bemerkte Mama vollkommen entnervt und ermattet.

Ich hatte auf Wunsch meiner Eltern für diesen Freitag schulfrei bekommen und war gleich in der Früh mit den anderen in den Steinbruch gefahren.

Erstmals konnte ich mit eigenen Augen sehen, welch ungeheure Menge an Steinen unsere Nachtarbeiter wieder weggeschafft hatten. Für Papa war es unfassbar, wie man ohne Maschinen in einer Nacht soviel Steine wegräumen konnte.

Als er von einer plötzlichen Blässe befallen wurde und sagte “ Oh Gott beinahe hätten ja diese emsigen Burschen letzte Nacht die Höhle erwischt.“ spürte ich echt, wie mir das Herz stehen bleiben wollte und die Luft knapp wurde. Ich konnte gerade noch die mitgebrachte Decke passend über ein paar Steine breiten und unauffällig auf den Boden sinken, da mir durch den Schreck ganz mulmig geworden war.

Aus Richtung Papa und seiner Mannschaft kamen strenge Anweisungen zum weiteren Vorgehen und Zeitplan. An der Stelle, wo die Höhle sein sollte, war schon ein ziemlich großes Loch in der Geröllhalde, das Papa mit seiner Mannschaft nun zügig zu einer Art Stollen mit den mitgebrachten Bohlen und Brettern, ausbaute.

Da jetzt keine Steine mehr nachrollten kamen sie erstaunlich schnell voran.

Unsere ’treuen Beobachter’ schienen auch mitbekommen zu haben, dass die Sache ernst wurde. Vom Rand des Steinbruches ging eine bisher nie dagewesene Unruhe aus. Ununterbrochen rannten Leute herum und es wurde geschrien und gepfiffen. Vereinzelt drangen nun doch auch einzelne Beschimpfungen zu uns durch. Einige drohten plötzlich sogar mit den Fäusten und fuchtelten mit Stöcken in der Luft herum: „Räuberisches Gesindel, Drecksäcke, Lumpenpack, Drecksäue“ waren noch das Feinste was man uns zurief.

Die Typen wollten uns ganz offensichtlich Angst machen; wahrscheinlich hofften sie darauf, uns im letzten Augenblick noch vertreiben zu können.

Und dann Papas Schrei!

Ich ließ die Limoflasche fallen und sprang mit einem riesigen Satz von meinem Beobachtungsposten herunter. In dem kleinen finsteren Stollen stieß ich auf Konrad und Georg die hinter Papa standen, der am Boden hockte und in ein kniehohes Loch hineinleuchtete – das war die Höhle! Juhu – endlich die Höhle!!! Ich war nahe daran überzuschnappen und zwängte mich ziemlich rücksichtslos nach vor, um auch einen Blick zu erhaschen.

Papa zog mich zu sich und ließ mich auch hineinschauen. Leider konnte ich nicht viel erkennen; sicher mussten sich meine Augen erst an die Dunkelheit gewöhnen; endlich entdeckte ich ein paar Steine, aber sonst war nichts zu erkennen! Seltsam welche Ruhe von Papa auf einmal ausging – mir war das fast etwas unheimlich.

Im Flüsterton sagte er zu den anderen, „der Eingang muss noch vorsichtig erweitert werden! Aber bitte größte Behutsamkeit, nicht, dass er uns jetzt zum Schluss noch einstürzt“.

Ich machte mich los, ging wieder nach hinten und spürte, dass ich Bewegung brauchte – „Endlich haben wir die Höhle, endlich die Höhle, die Höhle ……“ schrie ich immer und immer wieder, aber nicht ganz so laut, wie eigentlich schreien hätte wollen und sprang an Georg und Konrad hoch und umarmte sie; beide freuten sich auch riesig, ja sie machten mit mir sogar einen kleinen Freudentanz vor dem Stollen. Allerdings nicht lange, denn knapp neben mir schlug plötzlich ein faustgroßer Stein ein. Georg sprang sogar ein Stein an den Fuß. Er heulte auf und schrie, “Deckung, diese Schweine werfen mit Steinen!“

Ich warf mich sofort auf den Boden und robbte in den Stollen hinein.

Endlich begriff auch Papa was los war! Er sprang hoch, tat einen mächtigen Satz nach vor. Aus seinem Gesicht war jede Farbe gewichen, aber es war auch nicht weiß – nein, jetzt wusste ich es plötzlich, es war grau, genau so grau, wie damals der alte Mann, aber die Augen waren anders, nicht so wasserhell und sein Mund war vor Wut verzehrt, als er seinen geballten Zorn gegen die immer aggressiver werdende Menge am Steinbruchrand aus sich herausbrüllte; aber die lachten nur und schickten immer neue Steine zu uns herüber…….

Gott sei Dank machten Konrad und Georg dem Spuk ein Ende, in dem sie kurz entschlossen den rasenden Koblewski in den Schwitzkasten nahmen und zu zweit in den Stollen zerrten. Und während ich ihn umarmte und beruhigte, bauten sie in aller Eile aus den Bohlen und Brettern eine Schutzwand gegen die anfliegenden Steine auf…

Dann endlich die Erlösung! Das heulende Signalhorn der Polizeiautos war schon von Weitem zu hören. Schlagartig erstarb das Gepolter auf unserer provisorischen Schutzwand. Zwischen den Spalten dieser Bretterwand erspähten wir zu unserer Freude endlich zwei Polizeiautos, die mit Karacho und Blaulicht in den Steinbruch brausten. Nach einem jähen Bremsmanöver mit quietschenden Reifen sprangen sieben Polizisten aus den beiden Wagen und hintennach zwängte sich mit rotem Kopf und lautem Gestöhne, der dicke Wurzer. Während er nach Erkundung der Lage sofort eine kräftige Prise Schnupftabak brauchte, schwärmten vier Polizisten hurtig ins Gelände, um sich unseren lieben Steinewerfern zu widmen, wenn sie denn noch da waren!

Die Überraschung mit der Polizei hatte sich Papa und der Bürgermeister ausgedacht. Um ein Haar wäre sie in die Hose gegangen und wir im Steinhagel untergegangen. Was uns wahrscheinlich niemand geglaubt hätte, da sich mit dem Eintreffen der Polizei sämtliche Steinewerfer in sekundenschnelle in eine freundliche Herde gemütlicher Naturfreunde verwandelte, die nur mehr Augen für die seltenen Pflanzen und Steine hatte.

Konrad lotste zwei Polizisten und den dicken Wurzer zu uns hoch, und Papa vergrößerte mit Georg in aller Eile den Eingang zur Höhle und ich half, die Bretter und Bohlen für die Abstützung, beizuschaffen.

Papa legte größten Wert darauf, dass die Polizei und der dicke Wurzer beim ersten Betreten der Höhle dabei waren.

„Das muss unbedingt sein, sonst unterstellen uns diese Ochsenköpfe nachher noch, dass wir die Goldbarren und Juwelen schnell noch beiseite geschafft haben! Ich kenn’ nämlich meine Pappenheimer!“

Obwohl ich wahnsinnig gern mit in die Höhle gegangen wäre, blieb ich heraußen und wartete ungeduldig, bis die anderen wieder zurückkamen. Ich hatte das schon in der Früh Papa versprechen müssen. Und auch Mama hatte mich nur unter dieser Bedingung mitgehen lassen.

Die Höhle schien ziemlich groß zu sein: schon nach ein paar Minuten war von Papa nichts mehr zu sehen. Auch der Schein seiner Lampe war bald weg. Die Stimmen konnte ich noch eine ganze Weile hören, allerdings verstand ich nicht mehr, was gesagt wurde.

Als ich lange genug in die Höhle hineingestarrt hatte und Papa mit den anderen nicht zurückkam, hielt ich es nicht mehr aus. Ich versicherte mich, dass mich niemand sah und schlich mich klopfenden Herzens mit meiner Taschenlampe, die ich für alle Fälle mitgenommen hatte, doch ein Stück in die Höhle hinein.

Das Ding war jedenfalls erstaunlich geräumig; selbst ein Erwachsener konnte da ohne Schwierigkeiten aufrecht gehen. Den komischen modrigen Geruch fand ich ekelhaft. Lange hätte ich es hier nicht ausgehalten. Und nirgends ein Bärenskelett oder ein Mammutzahn?

Von einem Schatz war natürlich auch weit und breit nichts zu sehen. Aber vielleicht war ja weiter hinten einer, vermutlich blieben die Anderen deswegen auch solange weg…

Etwas ratlos leuchtete ich noch ein bisschen in der Höhle herum. Aber da war nichts zu sehen, nur ein paar vermoderte Holzstücke lagen an der linken Seitenwand der Höhle herum. Ich ging auch noch ein Stück weiter in die Höhle hinein. Aber allzu weit wagte ich mich alleine nicht vor. Irgendwie fühlte ich mich schon etwas komisch, und ich glaubte plötzlich auch wieder Stimmen zu hören; vielleicht kam die Truppe doch schon wieder zurück. Ich ging noch schnell zu den vermoderten Holzstücken, um mir wenigstens eines als Andenken mitzunehmen; sonst war ja nichts da!

Ich stieß die unappetitlichen Holzstücke mit der Fußspitze auseinander und hob das kleinste Stück auf; das konnte ich gut in der Hosentasche verschwinden lassen.

Noch während ich es einsteckte, hatte ich allerdings das unbestimmte Gefühl, da noch etwas liegen gesehen zu haben; ich leuchtete mit meiner Taschenlampe noch einmal drauf und tatsächlich lag da noch etwas. Ich hockte mich hin und stocherte mit einem anderen Holzstück an dem verschimmelten Ding herum – und sah dann, dass es eine alte Brieftasche oder so etwas Ähnliches sein musste. Der dicke Schimmel darauf, war so ekelig, dass ich fast gekotzt hätte.

Da die Stimmen schon bedenklich nahe waren und ich auch schon den Schein ihrer Laternen sah, blieb mir nichts Anderes übrig als dieses ekelhafte Ding, wie es war, unter mein T-Shirt verschwinden zu lassen und mich davon zu machen. Es war ziemlich grässlich, wie sich das so auf meiner Haut anfühlte, aber letztlich war ich froh endlich wieder so viel frische Luft atmen zu können, dass mir das Ekelding nicht mehr gar so schlimm vor kam.

Papa und die anderen kamen gleich hinter mir aus der Höhle; sie schienen ziemlich nervös und redeten alle durcheinander.

Bestimmt hatten sie den Schatz gefunden. Anders war diese Aufregung nicht zu erklären. Einer der Polizisten, sagte etwas von Mordkommission und rannte nach unten zum Auto.

Ich drängte mich zu Papa und fragte leise, „habt ihr den Schatz gefunden?“

„Nein – Gott sei Dank nicht!“ sagte Papa, und komischer Weise schien er richtig erleichtert: „So ein Schatz hätte uns gerade noch gefehlt, Kiki!“

„Was kein Schatz – gar nichts? Dann ist ja alles umsonst gewesen“! sagte ich enttäuscht und spürte wie mir vor lauter Enttäuschung, die Tränen über die Wangen liefen…

„Glaub mir, Kiki, mit so einem Schatz, wie du ihn dir vorgestellt hast wären wir unseres Lebens nicht mehr froh geworden. Die lieben Rodenbacher hätten uns bestimmt so lange in der Luft zerrissen bis von uns und vom Schatz nichts mehr übrig geblieben wär’!“

Ja, das sagte tatsächlich Carl Koblewski, mein allerliebster Vater, ganz wirklich zu mir! Unglaublich! Was für ein verdammter Mist!

„Und habt ihr wenigsten den grauen Mann gefunden?“

„Nicht jetzt“, zischte Papa und ging kopfschüttelnd zu den anderen.

Und ich stand wieder einmal ganz alleine da und kam mir wie der größte Trottel vor! Immer dasselbe Lied, sobald es wichtig wurde, war ich Luft für alle; wenn ich jetzt fortgegangen wäre, wär’ das niemandem aufgefallen; kein Schwein hätte mich vermisst.

Dabei hatten sie doch mir alles zu verdanken, diese wichtigtuerischen Arschgeigen! Ohne mich könnten die nicht so superwichtig dort drüben tun, und der dicke Wurzer könnte sich nicht im Minutentakt seinen stinkenden Schnupftabak einwerfen. Ekelhaft – echt ekelhaft!

Ich war nur froh, dass ich nichts von der Brieftasche erzählt hatte: wenn die mir nichts sagten, sollten sie von mir auch nichts erfahren!

Papa kam nach einiger Zeit zu mir und sagte, „Kiki, wir sollten jetzt heimfahren, Mama wird bestimmt schon auf uns warten“!

Ich nickte nur genervt und ging ohne ein Wort zu sagen nach unten zum Auto, mir war die Lust vergangen noch irgendetwas zu fragen.

Das taten dafür umso penetranter etliche der Späher, die uns sofort beim Auto umringten und mit Fragen bombardierten. Ohne Polizei wäre es sicher schwierig gewesen heil aus dem Steinbruch herauszukommen.

Ich schwieg auch auf dem ganzen Weg nachhause. Papa schaute ein paar Mal zu mir nach hinten, sagte aber nichts. Richtig wohl fühlte er sich wohl auch nicht. Aber mir war das egal, wenn er so unfair war, konnte ich es auch sein!

Mama wartete bereits; sie rannte uns schon auf der Strasse entgegen und umarmte und drückte mich, als wäre ich verschüttet gewesen und nach Wochen endlich zurückkehrt!

„Na, wie war’s, erzählt doch!“

„Frag’ doch Papa, der weiß eh alles besser“, sagte ich trotzig, löste mich aus ihren Armen und verschwand in meinem Zimmer.

KH

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