Das setzt der Krise die Corona auf!

Carl und Gerlinde (Folge 64)

Dachte Carl, als er an diesem Sonntag nach der Zeitumstellung auf Sommerzeit, im Morgengrauen bzw. grauen Morgen schon um 8 Uhr 30 vors Haus trat, um sich auf den Weg zum Bäcker zu machen. Ein scharfer Wind pfiff ihm um die Nase und seinen empfindlichen Hals, den er nur sehr flüchtig mit Gerlindes grauem Schal gegen die eisige Polarluft geschützt hatte.

Verdrießlich stapfte er die menschenleere Straße entlang, natürlich mit seinem Smartphone samt Schrittzähler-App, das er neuerdings immer dabei hatte, um Gerlinde zu zeigen, was er trotz Corona-Krise alles für seinen geschundenen Körper tat. Allerdings hätte es nach seinem Empfinden, nach dieser unruhigen Nacht, voll sorgenvoller Gedanken, nicht unbedingt der üblichen frischen Brötchen beim sonntäglichen Frühstück mit Ei und der Sonntags–FAZ  bedurft! Insbesondere nicht nach diesem neuerlichen Kälteeinbruch und der akuten Corona–Krise, die sich ja beängstigend ihrem Höhepunkt, hinsichtlich nachgewiesener Infektionen und Todesfälle, näherte.

Mit halb geschlossenen Augen stapfte Carl schlechtgelaunt und mit wenig Hoffnung auf baldige positive Änderungen in naher Zukunft sowohl in seinem Wohnort R., als auch in Europa und USA, den Gehsteig entlang, vorbei an dem windschiefen Zaun des noch immer unbebauten und entsprechend ungepflegten Grundstückes, sowie an dem ausladenden Gebäude des örtlichen Getränkelieferanten, dem die aggressiven Corona-Viren natürlich auch übel mitspielten.

An der Querstraße bog Carl nach rechts ab und sah schon von weitem seine Bäckerei, in der die angedrehten Lichter signalisierten, dass sie nicht nur in Betrieb war, sondern wie üblich auch sonntags Vormittag geöffnet hatte.

Gott sei Dank ohne Menschenschlange davor! Was sicher der Tatsache geschuldet war, dass er vielleicht doch schon etwas spät dran war und vermutlich froh sein musste, wenn er überhaupt noch seine zwei Mohnbrötchen und Gerlindes gewünschte Sonnenblumenbrötchen bekam; an einen Wecken Weißbrot wagte er gar nicht mehr zu denken.

Aber immerhin war durch die gähnende Leere weit und breit das Ansteckungsrisiko, dem er sich Gerlinde zuliebe aussetzte minimiert. Immerhin minimiert – was ja nicht wenig war, sagte er sich und trat plötzlich freudig gestimmt, ohne die diversen Schilder an der Eingangstür zu beachten, in den im wohl vertrauten Laden.

Oh – da war ja schon jemand drinnen! Entschuldigung, stammelte Carl erschrocken!

Doch ehe er umkehren konnte, donnerte ihm der bullige Kunde an der Verkaufstheke, vom Typ ‚Blockwart’, mit funkelnden Augen und wutverzerrtem Gesicht, ein derart schrilles und ohrenbetäubendes  „Können sie nicht Lesen???“ entgegen, dass Carl wie  betäubt nach rückwärts Richtung Eingangstür taumelte. Da im selben Augenblick ein neuer Kunde von außen die Tür öffnete, torkelte Carl automatisch nach draußen und  trat peinlicher Weise einer weiteren Kundin noch auf die Zehen.

Die ziemlich korpulente Dame schrie auf und rief verärgert dem davon hetzendem Carl nach, ob er zu blöd sei, aufzupassen und Abstand zuhalten? So ein ungehobelter Flegel, bekräftigte ein rotgesichtiger dicker Mann, den Carl aber nicht mehr hörte, da er bereits im Laufschritt heim zu seiner Gerlinde eilte, um ihr mit bedauernder Miene und kurzem Atem mitzuteilen, dass die Bäckerei  leider ab sofort auch sonntags geschlossen sei.

Wie das wohl noch enden würde fügte er stöhnend hinzu, als er sich an den sorgfältig gedeckten Frühstücktisch quetschte und ohne weiteren Kommentar nach der Zeitung griff.

KH

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