Von der Gefahr zum Risiko.

Am Freitag letzter Woche war ich auf einem „Philosophie-Seminar“ bei meinem Freund Klaus-Jürgen Grün. Das erste Mal nach mehreren Monaten bin ich wieder im ICE nach Nürnberg gefahren und dann zum Seminar ins Hotel gestiefelt. Das Thema hat mich interessiert – es ging um die Transformation von Gefahr zum Risiko.
Das alles lernt man aber auch im Leben – oder im Film. Man muss nur richtig hinschauen.

Im Salon 2 und 3 – dem Seminarraum – war eine kleine und sehr erfrischende Runde. Die anderen Teilnehmer waren alle weniger als halb so alt wie ich – und in so junger Runde fühle ich mich immer wohl. Trotz ihrer Jugend waren meine Mitstreiter weise und kluge Menschen, so wurde es ein wirklich schöner Tag.

Von der Gefahr ins Risiko

Die Themen waren: Wie wird aus Lust Angst und warum produziert Angst Moral? Wie nehmen Menschen Gefahr wahr, und wie versuchen wir Gefahr zu beherrschen? Warum wandeln wir dazu – individuell und kollektiv – Gefahr in Risiko um? Was ist der Unterschied zwischen Gefahr und Risiko?

Als Lesestoff und -Empfehlung gab es einen Auszug aus
Die Moral der Gesellschaft von Niklas Luhmann (2008) Suhrkamp, Seite 362 bis 374 und aus
Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft von Gerd Gigerenzer (2013) Bertelsmann Verlag.
Beides sehr lesenswert, beides suggeriert, dass es mit unserer (der Menschheit) „Risikokompetenz“ nicht weit her ist.

Beim Verdauen des im Seminar Erlebten und Erfahrenen ist mir ein extremes Beispiel eingefallen, das gut zeigt, wie die Transformation von Gefahr in Risiko erfolgt. Dazu beschreibe ich mal, was die Menschheit wirklich bedroht.

Die vier großen Bedrohungen der Menscheit

Nehmen wir an, ein großer und entsprechend schwerer Astroid stürzt auf unseren Planeten. Das ist eine Gefahr für die gesamte Menschheit, weil solch ein Ereignis die meisten Lebensformen auf unserem Planeten auslöschen würde.

Unter Wissenschaftlern wird dies als eine der vier relevanten Gefahren für die Menschheit genannt. Es gibt nur noch drei weitere bekannte Gefahren ähnlicher Dimension, das sind:

  • eine große vulkanische Eruption, die den ganzen Planeten betrifft,
  • ein Krieg, bei dem das gesamte Potential an Nuklearwaffen, über das die Menschheit verfügt, eingesetzt wird,
  • die Zerstörung unseres Planeten durch das Zusammenwirken der verschiedenen Dimensionen des Anthropozän wie Klimaveränderung, Vernichtung von Boden und Wasser, Plastik- und sonstige Vermüllung und Folgeschäden wie Artensterben usw.

Wir haben also vier bekannte Gefahren, die bei ihrem Eintritt das Leben auf unseren Planeten zumindest aus unserer Sicht komplett vernichten würden. Die vierte davon bauen wir selber (!) kontinuierlich und mit voller Kraft voraus aus. Für mich ist sie die wahrscheinlichste Variante, sie ist schon in Sicht.

Das Missverhältnis unserer Angst vor der Katastrophe

Die Angst vor relativ ungefährlichen und fast schon normalen Bedrohungen wie einem kleinen Virus namens Corona scheint bei den Menschen allerdings deutlich (exponentiell) größer ausgebaut zu sein als die Angst vor diesen vier essentiellen Bedrohungen. Dabei wird besonders die vierte leichtfertig angegangen.

Das liegt daran, dass das Missverhältnis, wie sehr wir das Corona-Virus fürchten (und dagegen handeln) in keiner Relation (oder besser in einer exponentiellen Missrelation) steht zu dem, wie leichtfertig wir mit Klimakrise etc. umgehen.

Soweit, so gut.

Spannend wird es, wenn wir uns eine der Gefahren konkret betrachten. Ich empfehle dazu das Anschauen der Serie „8 Tage„, die ich durch Zufall an einem Themenabend „Katastrophenfilm“ entdeckt habe.

Vor ein paar Tagen war ich wie Kevin allein zu Haus und bin am Abend einsam vor dem Fernseher gelandet. Da lief der Film „2012“ von meinem Namensvetter Roland Emmerich. Der Film hatte mich schon länger interessiert. War auch durchaus beeindruckend.

Und im Anschluss an diesen Film bin ich bei den „8 Tagen“ hängen geblieben. Die wurden erst nach 22:00 gesendet, da sie als „für Jugendliche unter 16 nicht geeignet“ eingestuft sind. Sie finden diese Serie auch in der ZDF-Mediathek. Wenn Sie zur Wiedergabe entsprechendes Werkzeug nutzen (Mobiltelefon, Tablet, PC, moderne Fernseher …) und des Umgangs mit Zertifikaten fähig sind, können Sie diese Einschränkung umgehen.

Philosophie im Fernsehen

Schauen Sie sich die Serie „8 Tage“ an und erleben Sie, wie der Asteroid HORUS mit einem Durchmesser von 60 km unseren Planeten in größte Gefahr bringt und wie die Menschheit diese Gefahr kollektiv wie individuell in Risiken umwandelt. Ganz im Sinne unseres Seminars 🙂 .

Um den berechneten Einschlagsort La Rochelle wird die umgebende Welt in Risiko-Gebiete eingeteilt werden. Deutschland liegt im „Hochrisikogebiet“. Die Amis wollen mit dem Colt in der Hand Horus abschießen. Der Abschuss misslingt, aber hat eine Veränderung der Flugbahn bewirkt, so dass die Einstufung Europas in Risikogebiete total umgeschrieben werden muss, was natürlich mit erheblichen Folgen verbunden ist.

Wenn Sie sich die Serie anschauen – und sich von den nicht jugendfreien Teilen nicht zu sehr ablenken lassen – dann lernen sie viel über Gefahr und Risiko, also den Stoff, der mich an diesem philosophischen Freitag in Nürnberg so bewegt hat.

Der Kreislauf von LUST, ANGST und MORAL

Und vielleicht verstehen Sie dann auch noch, wie aus unerfüllter LUST die Gefühle von FRUST und ANGST entstehen. Und ANGST über RESSENTIMENTS neue MORALismen entwickelt. Die wiederum die Erfüllung von LUST erschweren.

Vielen Dank fürs Lesen und Weiterdenken!

RMD

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