Letzte Woche am Mittwoch haben Wolfgang und ich wieder ein Werkstattgespräch aufgenommen.
Wir haben uns die Frage gestellt:
Sind wir zu sehr kopfgesteuert?
Diesmal haben wir uns nicht auf die Tonspur beschränkt, sondern das Gespräch als „Movie“ aufgenommen! Das heißt man kann uns nicht nur hören, sondern auch sehen.
Dazu muss man allerdings auf Youtube gehen.
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Wer uns nur hören und auf das Sehen lieber verzichten will (was ich sehr gut verstehen kann), der kann auch bei Spotify bleiben:
https://open.spotify.com/episode/5LRVYzONMmm7YsiyotKSdw?si=L3riHQXzSe68g6FmLuN6Yg
Ein paar nachträgliche Gedanken zu unserem letzen Werkstattgespräch
Sind wir zu sehr kopfgesteuert?
Mich hat unser Dialog sehr beeindruckt. Es hat in mir und meinem Gehirn noch ein paar Tage nach gearbeitet. Und dann ging es los:
Unser Podcast hat mich nicht losgelassen! Ich habe recherchiert. kam auf zwei wichtige Personen, die beide noch ein paar Jahre mit mir (1950 – xxxx) zeitgleich gelebt haben. Und nach meiner Einschätzung waren die BEIDEN für Menschen sehr wichtig, die in der jungen Bundesrepublik im großen BIAS zwischen Wirtschaftswunder, Nachkriegserfahrung, Friedenswunsch, faschistischem Erbe, und Wiederaufrüstung aufgewachsen (wie ich), sind nach meiner Meinung. Darüber nach zu denken, lohnt sich.
Wie konnte es passieren, dass wir den „nationalen“ Nachkriegs-Friedenswunsch von 1945 und der folgenden Jahre so nachhaltig vergessen konnten? Warum haben wir aus den Erfahrungen des 1. und 2. Weltkrieges und deren Nachbeben (Atombombe auf Japanische Städte, Kriege in Korea, Vietnam, Laos, Afrika und weitere wie nachfolgende) bis hinein in den Ukraine- und Iran-Krieg aber so auch gar nichts gelernt !!!
Das ist wahrscheinlich mein größtes Problem!
Vielleicht helfen uns da die beiden folgenden Persönlichkeiten, denen ich in meiner Jugend (virtuell in Bücher(:
1. Carl Gustav Jung (1875–1961)
Er ist der Begründer der Analytischen Psychologie. Er hat über das kollektive Unbewusste, Archetypen (wie der Schatten oder die Anima), Introversion und Extraversion sowie die Synchronizität geschrieben. Viele Fremdworte die man erstmal verstehen muss. Herr Jung war ursprünglich ein Schüler von Sigmund Freud, ging dann aber eigene Wege, weil ihm Freuds Fokus auf die Sexualität zu einseitig war.
In der Welt von C. G. Jung ist die Seele kein abstrakter Begriff, sondern ein lebendiges System, das sich fast ausschließlich in Bildern ausdrückt. Er war der Überzeugung, dass das Unbewusste nicht in Logik oder Sprache denkt, sondern in einer symbolhaften Bildersprache.
Dies hat Jung verknüpft und die „Die Seele als „Bildermacherin“ beschrieben. Für Jung war die Psyche (oder Seele) ein Ort, der ständig Bilder produziert. Er prägte den berühmten Satz:
„Das Bild ist Seele.“
Damit meinte er, dass wir die Vorgänge in unserem Inneren niemals direkt „sehen“ können, sondern immer nur ihre Manifestation in Form von Träumen, Visionen oder Phantasien wahrnehmen.
Ich wiederhole: Die Kernkonzepte der Bildarbeit bei Jung waren:
Archetypen:
Dies sind die Ur-Bilder der Menschheit (z. B. die „Mutter“, der „Held“, der „Schatten“). Sie sind im kollektiven Unbewussten gespeichert und tauchen in den Träumen und Mythen aller Kulturen in ähnlicher Bildform auf.
Aktive Imagination:
Eine von ihm entwickelte Technik, bei der man sich bewusst in ein inneres Bild versenkt und mit den auftauchenden Gestalten (den Seelenanteilen) in einen Dialog tritt.
Soviel zu dem berühmten C.G. Jung. Und dazu noch ein paar eigene Gedanken.
RMD:
Ob es Seelen gibt, da halte ich es mit wie Sokrates: Ich weiß es nicht. Ich nehme mal an, dass es sich hier nur um komplizierte Konstrukte handelt. Aber ist die Psyche nicht auch nur ein „kompliziertes Konstrukt“? Die mich beide – natürlich – überfordern.
So ich bin mir fast sicher, dass ich (wie der Mensch allgemein) nicht in der Lage bin, diese mit rationalem Denken (also mit der Vernunft) beschreiben zu können. Wenn möglich – dann können das nur Genies durch Bilder, Musik oder irgendwelche „Bilder für die Sinne“ – also „Kunst“.
2. Robert Jungk (1913–1994)
Herr Jungk hat nach meinem Wahrnehmung das Erbe von Jung aufgegriffen und angewendet. Er war einer der bekanntesten Zukunftsforscher und ein Pionier der Umweltbewegung. Uns hat er damals sehr beeindruckt, weil er auch die Zukunftswerkstätten erfand, die den Bürgern die Gestaltung ihrer eigenen Zukunft ermöglichen sollte.
Seine Themen:
Als scharfer Kritiker der Atomkraft wurde er bekannt durch sein Buch Der Atomstaat und setzte sich intensiv mit den ethischen Folgen von Technik auseinander.
Das ist auch heute brandaktuell! Dazu muss ich nur an die KI denken (die mir – Schande über mein Haupt – bei der Erstellung dieses Artikels geholfen hat)!
Was wird sie für die Menschheit bedeuten?
RMD:
Auch hier ein paar Gedanken von mir. Wie sollen wir über solche schwierige Fragen rational urteilen können? Können wir die Zukunft besser mit „Vorausberechnungen in think tanks“ oder mit „Gefühlen und Träumen“ gestalten ???
Ich hoffe und fühle, dass das eher mit Zweiterem gelingen wird.
Zusammenfassung:
Während C. G. Jung die Bilder der inneren Seele erforschte, ging es Robert Jungk um die Bilder der Zukunft. In seinen Zukunftswerkstätten forderte er die Menschen auf, sich „Wunschbilder“ einer besseren Gesellschaft auszumalen, um die technokratische Gegenwart zu überwinden.
Man könnte sagen: Jung suchte die Bilder, die aus der Vergangenheit (der Evolution der Seele) kommen, während Jungk die Bilder suchte, die uns in die Zukunft führen.
So muss ich an Otto Scharmer vom MIT denken. Sein Buch hat mir ein gut befreundeter Psychotherapeut als Dank dafür geschenkt, dass ich an einem Experiment mitgemacht habe. In diesem Buch habe ich das von mir hoch geschätzte Presencing und die Theorie U entdeckt.
Schlussfolgerung:
Presencing und die Theorie U sind moderne Management- und Innovations-Methoden (entwickelt von Otto Scharmer am MIT). Sie leben – nach meiner Meinung – vom Geist des C. G. Jung. Professor Scharmer bezieht sich zwar oft auf die Phänomenologie und Systemtheorie, aber die Parallelen zu Jungs Arbeit mit der Seele und den inneren Bildern sind unverkennbar.
So beschreibt die Theorie U einen Prozess des „Hinhörens“ und des „Los lassens“, um zu einer tieferen Quelle von Wissen zu gelangen. Der Weg durch das „U“ spiegelt Jung’s Prozess der Individuation wider. „Bilder“ sind hier entscheidend, weil in der Methode U Presencing (eine Wortschöpfung aus Presence und Sensing) der Moment ist, in dem man mit einer „zukünftigen Möglichkeit“ in Kontakt tritt.
Man geht dabei „vom Ich zum Ganzen“:
Scharmer fordert dazu auf, nicht aus der Vergangenheit zu agieren (Downloading), sondern aus der Zukunft, die „entstehen will“.
Intuitive Bilder: Diese zukünftige Möglichkeit zeigt sich oft nicht als fertiger Businessplan, sondern als intuitives Bild oder ein „Gefühl für das Ganze“ – genau jene Sprache der Seele, die Jung beschrieb.
Der „Blinde Fleck“
Scharmer spricht oft vom blinden Fleck der Führung: Wir wissen zwar, was Führungskräfte tun und wie sie es tun, aber nicht, aus welchem inneren Ort (Source) sie heraus agieren. C. G. Jung verbrachte sein ganzes Leben damit, genau diesen „inneren Ort“ – die Seele – zu kartografieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Presencing könnte eine Anwenden von Jungs Prinzip der Aktiven Imagination auf soziale Systeme sein. Man nutzt die Fähigkeit der Seele, Bilder zu generieren, um nicht nur sich selbst zu heilen, sondern um kollektive Lösungen für die Welt zu finden.
Das ganze passt übrigens auch gut zur Biophilie.
Von all diesem habe ich im Podcasts nichts gesagt, weil es mir erst jetzt klar geworden ist! Jetzt denke ich mir:
WOW – dank unseres Podcast (und meine Nacharbeit) habe ich jetzt die Methode U verstanden!
Hier uns heute veröffentliche ich nur noch eine Übersicht unserer
Werkstattgespräche:
Ein Plädoyer für Frieden – 25.02.26 – 26:58
die beiden Akteure verändert hat (1) – 14.09.25 – 28:35


