Auf der Suche nach mir selber denke ich über „nekrophil“ nach. Und finde das obige Bild in LinkedIn. Es ist von Franz Marc und hat einen Namen wie Versöhnung. Nur mit Versöhnung – finde ich – hat es aber nichts zu tun. Eher mit Nekrophilie. Aber ist ja alles nur eine subjektive Sache. Also befrage ich die KI nach Franz Marc und bearbeite die Antwort ein wenig sprachlich nach:
Franz Marc
<Zitatbeginn>
„Wenn ich mich zu Franz Marc schlau mache, habe ich den Eindruck, dass er sich in einem Zustand extremer geistiger und emotionaler Anspannung befand. Seine Weltsicht war von einem tiefen, fast schmerzhaften Idealismus geprägt, den man heute vielleicht als psychisch extrem belastend oder krisenhaft beschreiben würde.
Sein „geistiger Zustand“ hat wohl folgende Auffälligkeiten:
Einen obsessive Natur-Idealismus (Die Flucht vor dem Menschen).
Er scheint eine tiefe Abneigung gegen die moderne, industrialisierte Gesellschaft und den Menschen an sich gehabt zu haben. Menschen empfand er als „hässlich“ und „unrein“. Seine obsessive Zuwendung zu den Tieren war kein niedliches Hobby, sondern eine radikale Suche nach dem absolut Reinen und Unschuldigen. Diese kompromisslose Verweigerung, sich mit der menschlichen Realität abzufinden, hatte fast schon messianische, weltabgewandte Züge.
Er scheint von einer apokalyptische Sehnsucht besessen.
(Der Krieg als „Heilung“)
Für mich schwer zu verstehen ist seine Haltung zum Ersten Weltkrieg. Marc war (wie viele Intellektuelle damals) kein brutaler Militarist, aber er sehnte den Krieg als eine Art „Bluttaufe“ und spirituelle Reinigung Europas herbei. Er glaubte, die alte, kranke, materialistische Welt müsse in einem großen Weltenbrand untergehen, damit etwas Neues, Geistiges entstehen kann. Diese Verklärung von realer Gewalt zu einem abstrakten, reinigenden Prinzip zeigt eine tiefe Entfremdung von der Realität.
Die Desillusionierung an der Front.
Die Realität des Krieges hat diese geistige Konstruktion dann zertrümmert. Ich habe gelesen, dass seine Briefe von der Front (kurz vor seinem Tod 1916) einen tief traumatisierten und erschütterten Mann zeigen. Der Anblick der massenhaft krepierenden Pferde und der industriellen Vernichtung von Menschenleben ließ seinen romantischen Traum platzen. Er erkannte den Irrsinn. Seine späten, fast völlig abstrakten Zeichnungen aus dem Skizzenbuch von der Front wirken wie der Versuch, eine innerlich zerbrechende Welt noch irgendwie geometrisch zusammenzuhalten.“
<Zitatende>
(soweit zu Marc Franz).
Jetzt komme ich zu einer anderen großen deutschen Künstlerin und recherchiere mit KI:
Else Lasker-Schüler
Ich zitiere aus der Antwort ein wenig.
<Zitatbeginn>
„Die Vermutung einer Geisteskrankheit lag für viele ihrer Zeitgenossen nahe. Sie wurde oft als „verrückt“ oder „hysterisch“ abgestempelt.
Aus moderner psychiatrischer und biografischer Sicht greift das vielleicht zu kurz. Heute würde man ihren Zustand am besten als eine bewusste, existenzielle Arbeits- und Lebensweise an der Grenze zur Psychose beschreiben – eine radikale Verweigerung der Realität, die sie selbst als Überlebensstrategie wählte.
Entscheidende Aspekte ihres psychischen Gefüges waren vielleicht:
Kontrollierte Schizophrenie als Schutzschild.
Lasker-Schüler litt zeitlebens unter extremen Traumata: dem frühen Verlust ihrer geliebten Mutter, dem Tod ihres Bruders, dem Scheitern ihrer Ehen und später dem tragischen Krebstod ihres einzigen Sohnes Paul.
Ihre Flucht in die Kunstfiguren (wie Prinz Jussuf) war kein pathologischer Realitätsverlust im Sinne einer Schizophrenie, bei der die Betroffenen nicht mehr wissen, wer sie sind. Sie wusste sehr wohl um die Realität – sie weigerte sich nur, sie anzuerkennen, weil sie sie sonst emotional vernichtet hätte. Ihre Maskeraden waren ein hochfunktionaler Schutzschild gegen Depression und Verzweiflung.
Die Diagnose der Zeitgenossen (gegen die Realität).
Ihr enger Freund, der Arzt und Dichter Gottfried Benn, der als Mediziner durchaus einen geschulten Blick auf psychische Erkrankungen hatte, beschrieb sie rückblickend sehr treffend:
„Man konnte damals keinen Schritt mit ihr gehen, ohne daß alles stehn blieb und ihr nachsah: weite, wallende Röcke, Hosen, bunten Modeschmuck… Sie war damals die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte… ein Genie an Unreife.“
Benn sah in ihr keine medizinisch Kranke, sondern ein absolut grenzenloses, ungebändigtes Genie, das sich der Erwachsenenwelt verweigerte.
Ihre späten Jahre: Das Exil in Jerusalem
Gegen Ende ihres Lebens, im Exil in Jerusalem ab 1939, verschwammen die Grenzen zwischen exzentrischer Kunst und realer Paranoia allerdings zusehends. Die traumatische Vertreibung durch die Nationalsozialisten, die Armut und die Einsamkeit setzten ihr schwer zu. Sie fühlte sich verfolgt, argwöhnte Spione hinter jeder Ecke und lebte in Hotels, weil sie Angst vor festen Wohnungen hatte. In dieser Phase zeigte ihre Psyche deutliche Risse unter dem unerträglichen Druck der äußeren Umstände.“Fazit:
<Zitatende>
Else Lasker-Schüler war in meiner Bewertung psychisch hochgradig vulnerabel und extrem neurotisch. Vielleicht war ihre scheinbare Verrücktheit der Preis für eine kompromisslose Kreativität und sie hat die Spaltung ihrer Persönlichkeit produktiv genutzt, um Kunst zu erschaffen. Mein Fall war sie aber auch nie.
Meine Bewertung: Franz Marc litt wohl unter der Anspannung der Welt. Else Lasker-Schüler hat die Welt umgedichtet. Beides erscheint mir nekrophil.
Ich habe schon in der Schule vieles Lernen müssen, was ich bis heute noch nicht verstanden habe (ich nicht einverstanden war).
Die letzten beiden Jahre bin ich in ein Projekt hineingerutscht, in das ich viel Kraft investiert habe. Vor dem ich immer mehr Angst bekommen habe. Und aus dem ich mich nur mit letzter Kraft retten konnte.
Ich wünsche uns Frieden und Freiheit, Liebe und Leben. Aber gleich ums Eck kam die Nekrophilie. Das Biophilie- wurde einem Nekrophilie-Projekt. Darüber habe ich auch hier in IF-Blog berichtet. Ich viel an Herzblut und Mühe investiert habe. Trotzem bereue ich es nicht. Habe ich dabei doch viel gelernt.
Jetzt bin ich froh, dass ich mich rechtzeitig befreien konnte (shit happen’s).
Die Zeit holt mich immer noch ein. So ist vor kurzem eine Einladung zu einer Performance bei mir in LinkedIn aufgetaucht:
„Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen“.
Mit dem obigen Bild von Franz Marc hat da mein ehemaliger Projektpartner ein expressionistisches Orgelkonzert angekündigt, garniert mit Bibeltexten und Gedichten von Else Lasker-Schüler.
Nur weil ich schon gefragt wurde: Ich habe nichts mehr damit zu tun.
RMD


