Heute verabschiede ich mich noch einmal von meinem Freund Klaus Wäschle. Klaus habe ich im Herbst 1960 kennen gelernt. Er kam mit mir gemeinsam ins Gymnasium Jakob Fugger, er wohnte in Göggingen und ich in der Rosenaustraße. Wir teilten lange Jahre sogar die Schulbank und Teile des Radwegs. Ab und zu haben haben wir erfolgreich von einander abgeschrieben. Klaus wurde zum guten Freund.
Das heutige Jakob-Fugger-Gymnasium (JFG) in Augsburg hatte seine Wurzeln nicht in einem klassischen humanistischen Gymnasium, sondern in einer kaufmännischen Bildungseinrichtung. Der direkte Vorgänger war die Städtische Höhere Handelsschule, die 1955 den Namen Jakob-Fugger-Schule bekam. Als ehemalige „Handelsschule“ hatte die Oberrealschule einen schlechten Ruf. Die Augsburger Elite schickte ihre Kinder lieber in die humanistischen oder naturwissenschaftlichen Gymnasien. Für Jungen gab es das St. Stephan, St. Anna oder Holbein- oder Peutinger, für Mädchen Maria Theresia oder die „Englischen Fräulein“.
Nur die Neureichen und Schickimickis oder manche Unzufriedene, die wollten, dass es ihre Kinder „mal besser haben sollten“, folgten dem Ruf des Jakob Fugger und schickten ihre Kinder auf die ehemalige „Handelsschule“. Als ich 1960 dort eintrat (eingetreten wurde) wurde die Schule in eine Wirtschaftsoberrealschule umgewandelt, was den Weg zum Abitur ebnete. Damals waren die meisten Gymnasien in Augsburg noch überwiegend monogeschlechtlich.
Anders im Jakob Fugger:
Im Jahrgang 1960 (mein Startjahr im Jakob Fugger) gab es zirka 150 neue männliche Schulanfänger. Aber auch 24 weibliche. Das war sensationell! Alle 24 Mädchen kamen in die Klasse 5c. Klaus und ich waren zwei der 20 Buben, mit der die 5c aufgefüllt wurde. Pech oder Glück? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich sowohl als auch!
Kleiner Exkurs zur historischen Entwicklung des Jakob Fugger in Augsburg :
Stahlmann’sche private Handelsschule (1879):
Gegründet von Johannes Stahlmann als private „Allgemeine Handelslehranstalt“. Sie befand sich ursprünglich am Wollmarkt und zog später in die Jesuitengasse um.
Städtische Höhere Handelsschule (1920/1922):
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm die Stadt Augsburg die private Schule und führte sie als städtische Einrichtung weiter.
Jakob-Fugger-Schule (1955):
Mit dem Umzug in den Neubau an der Kriemhildenstraße (dem heutigen Standort, indem auch ich startete) erhielt die Schule zu Ehren des Augsburger Kaufmanns den Namen „Jakob-Fugger-Schule“ (damals noch als Höhere Handelsschule für Knaben). Das klang zumindest nach Geld.
Jakob-Fugger-Gymnasium (1965):
Noch zu meiner Zeit erfolgte die offizielle Umwandlung in das heutige Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt. Weitere Schwerpunkte lagen auf modernen Fremdsprachen und Naturwissenschaften (da bekamen wir ein eigenes Gebäude in einem Nachbargrundstück in das man durch einen unterirdischen Gang gelangen konnte).
Jetzt aber wieder zu meinem Klassenkameraden und Freund Klaus. An Weihnachten 2025 ist er verstorben. Nach dem Abitur in 1969 haben sich unsere Wege getrennt. Klaus hat wie ich eine Unternehmerlaufbahn eingeschlagen, im Bereich „mediale Organisation der Kommunikation für Sportereignisse“. Da war er recht erfolgreich. In München hatten wir uns wieder gefunden und regelmäßig getroffen – auch zum Schafkopf spielen.
Ein Highlight in meinem Leben war die Herausgabe im Jakob Fugger gemeinsam mit ihm und weiteren Mitschülern der Schülerzeitung des Gymnasiums. Wir haben Klaus zu unserem „chef vom dienst“ gewählt. Meine Aufgabe war in der Abteilung Kreativität. In Erinnerung an Klaus habe ich „die brücke – schülerzeitung des gymnasiums jakob fugger nr. 23″ wieder gelesen. Ich war damals in der Klasse 13a, wie fast alle im Redaktion-Team, auf dem Weg zum Abitur (1968/69). Die „nr. 23“ erschien im Herbst 1968.
Wir fühlten uns damals als „revoluzzer“ und haben die Ausgabe komplett auf der Schreibmaschine erstellt. So sah sie auch aus (voller Tippfehler und sichtbaren Korrekturen). Das – wie auch ein paar unpopuläre Artikel (einer davon war eine ketzerische Umfrage „ob der Religionsunterricht noch zeitgemäß sei“) – hat Ärger und schlechte Kritiken eingebracht. Und den Ruf unseres Gymnasiums weiter verschlechtert. 🙂
Wir haben das aber eher genossen nach dem Motto:
„Ist der Ruf erst ruiniert – lebt es sich ungeniert!“
Stolz waren wir aber auch. Wir haben 1.000 Stück drucken lassen – und alle gingen weg! Es war die erste Ausgabe der brücke – seit Erscheinen der Zeitung – die Gewinn gemacht hat. Dank der vielen Werbung, die wir akquiriert hatten. Auf der Rückseite des Titelblattes ist z.B. die Werbung für die Diskothek „Big Apple“ zu sehen, die das verschlafene Augsburg (Slogan: „Das beste an Augsburg ist der Zug nach München“) ein bisschen zur Weltstadt gemacht hat.
Hier ein Artikel von Klaus in Erinnerung an ihn (kale):
Ich fand den Klaus großartig. Auch ich war redaktionell mit mehreren Artikeln an der brücke nr. 23 von 1968 beteiligt, unter anderem an der von uns durchgeführten „Religionsumfrage“ und der Hymne
„an die DEMOKRATIE“ mit dem Untertitel „gedanken eines optimisten“.
„düdü“ war damals meine Signatur:
Es war eine tolle Zeit! In der noch neuen und jungen BRD, keine 25 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches.
Eine neue Lebensweisheit haben wir auch entdeckt und in der brücke auf Seite 35 veröffentlich (die nr. 23 hatte stolze 48 Seiten, also vier Bogen). Und es war ziemlich viel Werbung drin 🙂
Heute kennt das ein jeder, aber damals war das ziemlich neu. Und ich fand interessant, dass bei beidem, der SPEZIALISIERUNG und der ALLGEMEINBILDUNG, das NICHTS (die NULL) im FAKTOR erscheint. Was die NULL bei der kommutativen MULTIPLIKATION für das PRODUKT bedeutet, das weiß man ja.
(Unsere Weisheit wurde von rudi gumpp per Hand gemalt).
Rudi war auch aus der frühen 5c und im redaktions-team der brücke zuständig für Graphik. Später ist er – nach ein paar Klassentreffen an denen er noch teilgenommen hatte – dann irgendwann mal spurlos verschwunden.
Lieber Rudi, wenn Du noch da bist, dann melde Dich doch!.
Diese brücke nr. 23 findet heute noch Gefallen bei mir. Ich bin dankbar, dass ich diese Arbeit gemeinsam mit meinen Freunden Klaus, Rudi und Harald erleben durften. Klaus ist zu Weihnachten verstorben und vom Rudi weiß ich nichts mehr.
Nur Harald (Dr. Harald Wunderle – gleicher Jahrgang wie ich und auch in der Klasse 5c) lebt und praktiziert sogar noch als Arzt in Augsburg. Er war auch wesentlich an der brücke nr. 23 beteiligt. Anläßlich des Todes von Klaus haben wir uns vor kurzem wieder gesehen. Es war ein gutes Treffen nach sehr langer Zeit, das wir auch wiederholen wollen.
Dabei fällt mir dann natürlich mein Freund Dr. Werner Lorbeer ein. Der war auch Schüler des Jakob Fugger (eine Klasse höher als wir wir). Werner hatte – Jahre vor uns – an der brücke mitgewirkt, aber in 1968 schon mit Abitur die Schule verlassen. Er schrieb später schöne Artikel auch für den IF-Blog. Einige Artikel von ihm finden sich auch im biophilen Lesebuch „vom glückenden Leben“.
Leider musste ich mich von Werner ja schon vor ein paar Jahren Abschied vor Klaus Abschied nehmen.
RMD
(1968 noch düdü)





