Eine Hymne auf die Biophilie !!!
Im Mai 1982 hat Ina Deter ein Lied (Vorsicht – laute Musik!) mit dem Titel „Neue Männer braucht das Land“ veröffentlicht. Es erschien zunächst als Single und war der Titelsong des gleichnamigen Albums, das Ina Deter zum großen Durchbruch verhalf. Der Song traf damals den Nerv der Zeit und wurde zu einer der wichtigsten Hymnen der Frauenbewegung innerhalb der Neuen Deutschen Welle (NDW).
Im April 1982 kam der Maximilian, unser erster Sohn, zur Welt. Wir waren sehr glücklich. Der Himmel hing voller Geigen, wir freuten uns auf die Zukunft.
Für mich war das damals eine großartige Zeit. Ich war Vater einer frischen Familie mit zwei Kindern. Es herrschte eine wunderbare Aufbruchsstimmung. Bonn war noch die deutsche Hauptstadt, Menschenfreundlichkeit ein wichtiger Wert. Die BRD schien sich aus dem Wirtschaftswunder heraus zu einem friedlichen und gerechten Staat zu entwickeln.
Neue Parteien formulierten ökologische Ziele, Optimismus war Lebensdoktrin. Willy Brandt war als Kanzler der Versöhnung noch in guter Erinnerung und Menschen wie Petra Kelly standen kurz vor ihrem Einzug in den Bundestag. Eine „Wiedervereinigung“ mit Berlin als Hauptstadt schien in weiter Ferne. Und Wiederaufrüstung und Kriegstüchtigkeit waren Feindbilder – wie auch Wackersdorf! Das Glück wurde eigentlich nur von der nuklearen Bedrohung durch die Großmächte getrübt
Ina Deter’s Song hielt sich 1983 wochenlang in den deutschen Charts und erreichte Platz 13. Sie thematisierte darin auf ironische Weise die Suche nach einem neuen Rollenverständnis des Mannes abseits von Machismo und Klischees.
Aus dem Schwung dieser Jahre heraus gründeten mein Partner Wolf Geldmacher und ich die InterFace Connection GmbH, ein digitales Unternehmen, dass anders sein sollte als die „normalen Firmen“ …
Dann war die tolle Zeit vorbei!
Kohl und Merkel waren die neuen Regierenden. Die DDR wurde übernommen und sollte zu einer blühenden Landschaft werden. Die beiden Blöcke zerbrachen und damit die Stabilität. Mit dem Wirtschaftswunder war Schluß, Schulen und die Bahn verfielen. Die Autos wurden größer, die Straßen immer mehr. Unternehmen betrogen in großem Stil.
In diesen – jetzt bald 50 Jahren – habe ich Ina’s „NEUE MÄNNER“ nicht gefunden. Obwohl wir diese „neuen Männer“ dringend gebraucht hätten, zum Beispiel um unsere Demokratie zu bewahren und weiter zu entwickeln.
Die aktuellen Entwicklungen in unserer Gesellschaft und Wirtschaft gefallen mir gar nicht mehr. Ina’s Traum hat sich nicht erfüllt. An Stelle der neuen Männer gab es viel anderes Neues. Es sollten 45 Jahre des „weiter so“ werden – mit den alten Machos und Klischees. Auch Kriege feierten immer wieder Urständ. Die Realität des großen Krieges erscheint heute wieder wahrscheinlicher. Der Traum von einer friedlichen Gesellschaft und vom biophilen Leben scheint gescheitert.
Neues gab es auch.
Ich zähle auf: Neue Unredlichkeit. Neue Ängste. Neue Studienfächer. Neue Geschlechter. Neuer Reichtum. Neue Armut. Neue Oberflächlichkeit. Social Media. Neue Technologien. Neue Helden. Viele Superreiche. Und neue Berufsbilder und Rollen für Mann und Frau.
Und aller Orten immer mehr leichtfertiges Geschwätz. Auch Firmen, die ich gemocht habe, haben einen content creator gebraucht, der natürlich m/w/d sein und das WHY des Unternehmens formulieren sollte.
Der CC ist ein neues Berufsbild. CC ist die Abkürzung für Content CreatorInnen. Der/die/das CC soll möglichst einfach eine Realität beschreiben. Die ihm fremd ist. Heraus kommt dann eine „Wirklichkeit“. Die oft nichts mit der Realität zu tun hat. Das ist so, wie wenn einer darüber sprechen soll, wie man gute Geigen baut. Aber nie eine Geige gebaut hat.
Es leuchtet ein, dass dies ein schwieriges Unterfangen ist, das in der Regel misslingen wird. Der CC hat eigentlich keine Chance, er/sie/es kann nur scheitern.
In so kreierter (künstlich erfundener) Kommunikation geht die Unterscheidung zwischen Realität und Wirklichkeit, zwischen Wahrheit und Gewissheit, zwischen Ethik und Moral … schnell und oft komplett verloren. Und das erzeugt beim Empfänger dann das Gegenteil von Zu- und Vertrauen.
Texte werden durch Ablesen vom Prompter nicht besser. Dann können zwar auch Laien anspruchsvolle Texte einsprechen, die sie gar nicht verstehen. Nur merkt das der Zuhörer …
<Ironie EIN>
Noch schlimmer wird es, wenn dann ein dritter am Prompter an der Redegeschwindigkeit dreht.
Schlimmer geht immer!
Dann, wenn der CC anfängt, buzzwords oder Plattitüden zu nutzen. Oder schwierige Theorien entwickelt, zitiert oder simplifiziert, von denen er nichts versteht. Jetzt droht Gefahr. Er mutiert zum Buzzword Booster (BB) oder Dogmen Distributor (DD).
Vielleicht wäre es besser, wenn die CC’s eine fundierte philosophische Ausbildung hätten?
So mutieren CC’s zu BB’s (Buzzword BoosterInnen – kann sein dass das erste B auch für Bullshit steht) und DD´s (Dogmen DistributorInnen – oder auch das zweite D für DeveloperInnen). BB‘ s versuchen mit Buzzwords zu punkten, sie produzieren in großer Mengen Plattitüden und Dummheiten. Das vermittelt zumindest einen Anschein von Kompetenz. DD’s sind gefährlich, weil sie plausibel klingende Verschwörungstheorien verbreiten, beliebte Vorurteile fördern und unbeliebte Minderheiten mobben.
Gemeinsam erzeugen sie ein schlimmes CD (corporate/common design) und CI (für corporate/common identity) ihrer sozialen Systeme. Es werden verzerrte Bilder von Gruppen „kreiert“, die gesellschaftlich oder wirtschaftlich tätig sind. Die Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse der Menschen kommen wie deren Kultur unter die Räder.
CC’s produzieren gemeinsam mit den DD’s und BB’s dann auf social media beliebig viel „reels“, „shorts“ und „memes“. Google Ads (früherAdWords) wird zum Credo, es geht jetzt um Targeting, Relevanz, Performance (PMax) und Conversions. Sie kämpfen um Sichtbarkeit und um „First-Party-Daten“ – und man versucht die Zukunft vorherzusagen. Ein tollkühnes Unterfangen, das oft im Straßengraben der Kommunikation endet.
So vermüllt die Gilde der BM’s (Bullshit Maker) – oft getarnt als Influencer – mit ihren Produktionen den Ocean der Social Media (SM – steht für Social Media und nicht für sado maso), also das Internet. Dank KI (künstlicher Intelligenz) geht das einfach – in kürzester Zeit kann man mit minimalen Aufwand beliebig viel Mist produzieren.
Die „professionellen“ BM’s (Bullshit Maker) der K&M-Abteilungen (Kommunikation und Markeing) verbreiten beliebig viel Unsinn in den unseriösen (?) Gewässern des Internets wie (Tiktok, Instagram …) aber auch in den vermeintlich seriösen Kanälen (Linkedin, XING …). Natürlich müssen sie auch in den mächtigen Strömen (FACEBOOK, TWITTER …) mitmachen.
Überall dort und viel mehr hängen sie ihre Netze aus, mit denen sie Kunden fangen wollen.
Allerdings kann man kann ein Ziel erst bewerben, wenn man das Ziel und vor allem das dazugehörige WHY kennt und formulieren kann. Das heißt, erst wenn man weiß, wo man hin will sollte man loslaufen.
Das Motto
Quantität geht vor Qualität!
oder
Masse macht’s.
taugt nicht zum Erfolg.
Erst wenn man ein qualitatives Ziel gefunden und festgelegt, dann kann man startem.
Das moderne Marketing meint, heute müsse man in der SM – als Selbstzweck und koste es was es wolle – präsent sein, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Um dort fette Beute zu machen und zahlreiche Kunden zu gewinnen. Das ist falsch!
Denn dann kommt der Katzenjammer und man wundert sich, dass die Netze leer bleiben. Wie auch die Auftragsbücher und letzten Endes die Mägen. Und dann bleibt uns nur noch, über die schlechten Zeiten zu jammern! An stelle, zu verstehen, dass etwas falsch gemacht wurde und das geändert werden muss!
Es gibt Länder, in denen verbietet man Kindern (oder auch generell allen Menschen) die Nutzung solcher Systeme. Oder man schaltet sicherheitshalber das ganze Internet ab.
Das wird das Problem nicht lösen.
Vielmehr muss uns klar zu sein, dass Kunden nicht zu gelabert werden wollen (labern ist die deutsche Beschreibung der Tätigkeit eines CC’s) und diesen ihre Zeit zu wertvoll ist, um sich mit dümmlichen Plattitüden und Allgemeinplätzen zu beschäftigen.
Menschen wollen nämliche eine direkte und persönliche Ansprache, die ihnen aufzeigt, welchen konkreten Nutzen die angebotenen Waren bringen. So scheint es mir zumindest im B2B-Geschäft zu sein. Diese direkte Ansprache kann man dann mit SM und KI machen. Aber SM und KI darf nicht zum Selbstzweck werden!
Bei B2B gewinnt man mit losem Geschwätz keinen Blumentopf.
Leider scheint es im B2C Geschäft anders zu sein. Das läßt die Werbung vermuten. Wie auch in der Gesellschaft. Unsere Demokratie ist am Ende, weil die Vertreter des gedankenlosen Geschwätzes immer öfters gewinnen. In den Demokratien setzen sich mehrheitlich die Kandidaten durch, die sich mit Vereinfachung, Populismus, Pseudo-Charisma und gelegentlich auch mit ihrer sexueller Toxis profilieren.
Folgende Regel gilt offensichtlich:
Die Wahl gewinnt der, der das Produzieren von Shit am besten kann.
Weil man anscheinend nur so die Wahlschlacht (!?) gewinnen kann!?
<Mein Kommentar: Grauenhaft>
Der dialektische Diskurs mit dem Ziel einer seriösen und fairen Konsens-Findung im Auge des Hurrikans (des Problems) scheint gegen das oberflächliche Geschwätz und dem Geblödel der CC’s, BB’s und DD’s verloren zu haben. Der dümmliche Wahlkampf mit einfachen Parolen (make XXX great again) hat das sachliche und kooperative Ringen für eine erfolgreiche und anständige Problemlösung besiegt.
Wir haben eine neue Unredlichkeit:
Die Lauten und Dummen (und oft auch Kriminellen) gewinnen. Die Erfahrungen z.B. aus dem IRAN oder den USA bestätigen dies (auch dort sind die Machthaber am Anfang „demokratisch“ legitimiert worden). Ähnliches erleben wir aber auch in Südamerika oder vielen europäischen Ländern wie GB, FR, IT ….
Hoffentlich nicht bald auch bei uns!?
Meistens hat sich das Unheil auf dem demokratischen Pfad eingeschlichen, wie auch in der Weimarer Republik, aus der dann das 3. Reich wurde.
So müssen wir uns nicht wundern, dass Bürger und Politiker wie die Führungskräfte (in den oberen Etagen) und Mitarbeiter (in den unteren Etagen) der Unternehmen immer verzweifelter werden. Die Unzufriedenheit der Menschen nimmt ebenso zu wie die Staatsverdrossenheit der Bürger.
<Ironie AUS>
Die Frage scheint nur noch, wann es knallt und explodiert. Sei es dass die A……….. den Laden übernehmen oder dieser zerbricht. Beides finde ich nicht erstrebenswert.
Ich glaube immer noch, dass dies nicht so ist. Dass einen besseren Weg gibt:
Wir haben eine gute Chance:
Wir müssen wieder bodenständig und bescheiden werden. Und aufhören, uns in blödsinniger Selbstbeweihräucherung zur verlieren und an dieser zu ergötzen.
Den Quatsch, der sich bei uns im Lande breit gemacht hat, können wir ganz schnell beenden. In dem wor auf Augenhöhe gehen und in einem sauberen dialektisch Dialog unsere Lösungen erarbeiten.
Auch um die notwendigen Reformen anzugehen.
Das klingt sehr herausfordernd. Es könnte aber gelingen, wenn Redlichkeit und Anständigkeit wieder mehr Gewicht bekommen. Wie auch der „gesunde Menschenverstand“.
Ich weiß, dass auch das eine grosse Herausforderung ist.
Also:
Die INA hat recht gehabt! Aber sie hat sich auch geirrt.
Denn:
Nicht neue Männer, sondern neue MENSCHEN (Frauen und Männer) braucht das Land!
Wir dürfen nicht so weitermachen wie bisher. Die Straße, die wir gehen, sieht zu sehr nach einer Sackgasse aus. Biophilie muss die Bullshit Maker stoppen. Ihr Geschwätz muss durch einen verantworteten Diskurs ersetzt werden. Kommunikation braucht Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit! Wir müssen nach gemeinsamer Verantwortung streben.
Und uns vor allem die Frage stellen, was für uns Menschen und für das Leben wirklich wichtig ist. Es muss gelten:
Zurück ins Leben gehen und dort fürs Leben da sein!!!
Techniken wie die Dialektik und das Wissen der Philosophie können wir nutzen! Die Biophilie kann dabei als guter Wegweiser dienen.
Ich meine, die Biophilie ist zwar auch nur ein Konstrukt. Wie jede Art von Philosophie und Religion. Sie kann uns jedoch als Gestaltungsprinzip bei dem Design (Entwurf) der Zukunft helfen! Denn die Basis der Biophilie ist die Liebe zum Leben, also auch die Liebe zu den Menschen. Das Konstrukt der Biophilie beinhaltet den Wunsch nach Liebe, Freiheit und Frieden. Und wird quasi zur „moralischen Konsequenz“.
Die Biophilie lebt von Anstand, Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Demut … . Sie unterscheidet zwischen Wahrheit (Realität) und Wirklichkeit. Sie betrachtet die Dialektik nicht als Waffe im Kampf um die Überzeugungen sondern als gemeinsames Werkzeug auf der Suche nach den Lösungen. Das alles macht sie gleichzeitig stark und schwach.
Das Gemeinsam (miteinander) wird im biophilen Konstrukt dem Getrennt (gegeneinander) vorgezogen, Kooperation geht vor Konkurrenz, der personale Mensch hat Vorrang vor systemischer Macht. Gemeinsames Schaffen ist dem biophilen Menschen wichtig, Zerstörung lehnt er ab, Frieden hat absolute Vorfahrt vor Krieg. Die Dämonen Hass, Gier, Macht … werden in der Biophilie nicht gerne gesehen,
So hoffe ich, dass die Menschheit die Biophilie weiter entwickeln und nutzen kann! Und der personale Mensch wieder Vorfahrt vor systemischem Denken bekommt. Denn Biophilie, die auf das personale Leben Rücksicht nimmt, dürfte der ethische Imperativ des Heute und Morgen sein.
Wenn nicht – dann beginne ich auch schwarz zu sehen!
RMD