Die Zukunft Deutschlands

Mit Gemini hatte ich einen langen Fachdialog zur wirtschaftlichen Situation des Standortes Deutschland. Wir haben mit den Problemen eines konkreten Versicherungsunternehmen angefangen und kamen dann auf andere Branchen zu sprechen. Dabei entstanden interessante Dialoge. Ich kopiere hier aber nur die kurze Zusammenfassung am Ende:


Für den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeuten diese Verschiebungen einen schleichenden, aber tiefgreifenden Strukturwandel, den Volkswirte oft als Teildeindustrialisierung oder „stillen Umbau“ beschreiben.
​Der Kern des Problems liegt darin, dass genau jene drei Branchen (Auto, Energie/Öl, Banken/Versicherungen) jahrzehntelang das Fundament des deutschen Wohlstands, des Mittelstands und des Sozialstaats gebildet haben.

​1. Realkapital- und Jobverlust in der Industrie

Schrumpfender Zulieferersektor: Während große Automobilhersteller Produktionsstätten ins Ausland verlagern (z. B. für E-Autos nach China oder Nordamerika), bricht den deutschen KMU-Zulieferern (Gießereien, Getriebebauer, Feinmechanik) die Basis weg. Die Zahl der Beschäftigten im Zuliefererbereich sinkt kontinuierlich.
​Es gibt keinen 1:1-Ersatz durch E-Mobilität: Die Produktion eines Elektroautos erfordert deutlich weniger Arbeitsstunden und Bauteile als die eines komplexen Verbrenners. Selbst bei erfolgreicher Transformation fallen unterm Strich netto gut bezahlte Industrie-Arbeitsplätze weg.

​2. Druck auf den Mittelstand und das Ökosystem

​Verlust von Wertschöpfungsketten: Deutschland lebte von perfekt eingespielten regionalen Ökosystemen (Cluster aus Entwicklern, Zulieferern, Maschinenbauern und lokalen Sparkassen/Banken). Wenn Kernbausteine wie die Batterie- oder Softwareentwicklung primär in den USA oder Asien stattfinden, verlieren die heimischen Regionen ihre Innovationskraft.
​Im Finanzsektor findet eine Margenkompression statt: Wenn Banken und Versicherungen ihre Erträge an Plattformen (wie Check24, Apple oder Neobanken) abgeben müssen, leidet die Ertragskraft der Kreditwirtschaft. Das führt zu weniger Spielraum für die Finanzierung risikoreicher Mittelstandstransformationen

3. Der Staat unter doppeltem Handlungsdruck

Sinkendes Steuereinkommen: Verschiebungen von der hochprofitablen Sachgüterproduktion hin zu margenärmeren Dienstleistungen oder digitalen Plattformen verringern das Gewerbesteuer- und Einkommensteueraufkommen.
​Steigende Transferkosten: Der Umbau fordert erhebliche staatliche Investitionen (Infrastruktur, Stromnetze, Weiterbildung, Abfedern von Strukturwandel-Folgen), während die Einnahmen aus der Industrie stagnieren oder schrumpfen.


Ich meine die Probleme sind hier nüchtern beschrieben. Die globale ökologische Lage (Klimawandel, Versieglung der Böden, Vermüllung der Meere, Verlust der Artenvielfalt, Kriege alsLösung …) machen es noch schlimmer.  Man sieht, dass Reformen und Veränderungen dringend notwendig sind. Es gibt aber berechtigte Zweifel, ob wir dies schaffen. Dass schlimme wirtschaftliche Folgen drohen, lässt uns gleichgültig. Fest zu stehen scheint, dass unsere Wohlstandsgesellschaft eine Welt ohne Reformen nicht überleben wird. Und dass – selbst wenn die Reformen gelingen – wir alle den Gürtel enger schnallen müssen.

Es gibt aber noch weitere Gefahren. So habe ich vor kurzem über eine Aufführung im Metropol-Theater berichtet, die mich sehr beunruhigt hat, Da ginge es darum, wie man in modern einen PUTSCH macht – der Titel des Stücks war dem entsprechend „Putsch – Anleitung zur Zerstörung einer Demokratie“. Es war ein zeitgenössisches Stück mit sehr hoher Aktualität.

Und da ist mir aufgefallen, wie wichtig das Grundgesetz ist, das versucht uns von willkürlicher Kontrolle durch staatliche Willkür zu schützen. Und wie dumm es ist, wenn man die Geheimdienste in Zeiten ermächtigt, wo ein politischer Machtwechsel durch radikale Kräfte möglich erschein.

Da passt dann der alte Spruch von den „dummen Demokraten, die den Strick an dem man sie aufhängt, selber an ihre Gegner verkaufen“. Die historische Ermächtigung unserer Geheimdienste und der Verfall unserer Werte machen mir fast mehr Sorgen als unsere wirtschaftliche Schwäche. So gesehen könnte Herr Dobrindt sich zum Steigbügelhalter werden. 

RMD

P.S.
Das Titelbild ist von Franz Marc und beschreibt „düsteren Zeiten“.

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