Zensus 2011 – Hauptsache Daten

Von ee
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Noch in meiner Zeit als Student habe ich mir eine Wohnung gekauft, die seit über 20 Jahren vermietet ist.

Deshalb bekam ich kürzlich den Fragebogen zur „Gebäude- und Wohnungszählung“! In einem Land, wo man ohne Genehmigung keinen Baum im Garten fällen darf, verwundert es mich schon, welcher Aufwand getrieben wird, um „Gebäude“ zu zählen. Noch mehr verwundert es mich, dass es so scheint, als wäre es egal, ob man richtige oder falsche Zahlen erhält.

Beim Durchlesen des Fragebogens fand ich 4 Fragen, deren Antwort ich spontan nicht kenne. (Wie viele Wohnungen sind in dem Gebäude? Muß ich da hinfahren und am Klingelschild zählen? – Wie viele Personen wohnen in der Wohnung? Meine Mieterin hat mittlerweile geheiratet – ich denke aber, es geht mich nichts an, nachzuforschen, ob sie alleine, mit Mann oder Mann und Kind oder… dort wohnt).

Zum Glück gibt es ein Infotelefon beim statistischen Landesamt, bei dem man schon nach gefühlten 25 Anrufversuchen jemanden erreichen kann: Man erklärte mir, das es „technisch unmöglich“ wäre, beim online-Fragebogen ein Feld freizulassen – ein Feld „weiß ich nicht“ gibt es nicht. Ich solle einfach einen Schätzwert eintragen, denn andere Bewohner des Hauses würden vielleicht die richtige Zahl eintragen. Meine Frage, wie sie dann die richtige Zahl herausfinden, konnte nicht beantwortet werden. Die Frage, ob man dann Mittelwert, Modalwert oder Median benutzen würde, wurde nicht einmal verstanden.

Ich fragte noch, zu wie viel Aufwand beim Herausfinden der Daten ich gesetzlich verpflichtet wäre. Antwort: ich bin nur gesetzlich verpflichtet, den Bogen auszufüllen. Somit habe ich meiner gesetzlichen Pflicht genüge getan und bei 4 Fragen Antworten abgegeben, ohne zu wissen, ob sie richtig sind.

Vielleicht interessiert sich ja niemand für die richtigen Daten? Hauptsache man hat Daten?

E2E

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5 Antworten

  1. Bei S- und U-Bahn-Fahrten habe ich mehrfach die Leute über den Zensus reden hören. Da gab es viel Ärger „aus dem Volk“.

    Die beiden Hauptthemen waren, dass man Daten über andere Menschen angeben soll (muss?), die einen eigentlich gar nichts angehen. Und dass man den Rückumschlag frankieren muss, obwohl man den Sinn dieser Befragung nicht so recht erkennen kann.

    Wenn ich die mitgehörten Gesprächen richtig in Erinnerung habe, kam dann immer viel Politikverdrossenheit rüber nach dem Motto: „So einen Schmarrn machen die da oben, aber die notwendigen Probleme packen sie nicht an!“

    Mich wundert, dass in einer Zeit, wo alle vom Datenschutz reden und dauert gegen das Internet wettern, der Staat solche Daten zwangweise erhebt.

  2. Ja – die Frage nach den Anzahl der Bewohner meiner Wohnung – und nach Angabe von Vor- und Nachname der Bewohner ärgerte mich auch. Soll ich jetzt herausfinden, wie der Ehemann meiner Mieterin heißt??? Ob sie mit ihm dort lebt oder vielleicht getrennt ist?

    Geht mich wirklich nichts an!

  3. Diese Daten sind aber unter Umständen echtes Geld wert. Kenne da Leute, die einen zur Arbeit nahen (Schein-)Wohnsitz haben, um die steuerliche Belastung des geldwerten Vorteils der Nutzung des Dienst-Kfz für den Arbeitsweg zu reduzieren. Ist fürs Finanzamt interessant und vor dem Finanzamt gibt es keinen Datenschutz – siehe die CD’s mit den Steuersündern.

    Und es tut zwar hier nichts zur Sache, aber mich ärgert diese Art von Steueroptimierung auch …

  4. The British government recently conducted a survey of the people, to try to find out what makes people happy! This seems to be the first such survey in the World. It has generated further interest in this topic, and encouraged other studies. So far, it has been assumed that the government should mainly try to increase wealth, but this now seems dubious. For instance, the British are no happier now than in 1950, though considerably wealthier. It is said that joining one’s first club (meeting at least once per month), increases happiness as much as doubling one’s earnings! Perhaps it is surprising that having children is slightly negatively correlated with happiness. Happiness goes up with earnings, only as far as about £50,000 p.a. (But a feeling of satisfaction looking back at life goes up more at higher earnings).
    Interesting for a Conservative-Liberal coalition is that equality plays a big part in differences of happiness in different countries. Thus Sweden and Denmark are generally happier than USA. Within USA, egalitarian New Hampshire is the happiest state. This effect applies whether near-equality comes „naturally“, or from redistribution via taxation.

  5. Yes, I gave the information via internet. The interface was rather sloppy. It took me a little time to find the right page. The word „Wohnung“ was used differently; (either including a house, or not including). So it was difficult to answer correctly. This originated from a European project, probably aimed at finding out how things are in countries like Rumania and Bulgaria. It has been neglected by German politicians and civil servants, (just going through the motions).

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