Unternehmertagebuch #14 – Das ethische Unternehmen – 6. Notwendige Bedingungen für den Umgang mit Lieferanten

Wolken3Es gibt ein zynisches (und ich hoffe nicht wahres) Gerücht über den Tod eines deutschen IT-Unternehmers.

Bei seiner Beerdigung wurden eine Reihe von Grabreden gehalten. In einer wurde er seines Engagements gegenüber seinen Kunden gewürdigt. Alles war ruhig.

Dann wurde seine Fairness gegenüber seinen Lieferanten erwähnt, und am Grab soll eine deutliche Unruhe entstanden sein.

Dass man viel an Kunden denkt, ist in Ordnung und muss so sein. Man darf aber seine Lieferanten nicht vergessen. Ohne die ist eine optimale Leistungserbringung nicht möglich.

Jetzt versetze ich mich einfach mal in die Rolle des Lieferanten. Über was ärgere ich mich als Lieferant?

  • Wenn unmögliche Zahlungsziele einseitig festgelegt werden.
  • Wenn nicht erfüllbare Preisdiktate gemacht werden, nach dem Motto: Entweder der neue Preis wird akzeptiert – oder Schluss mit der Lieferantenbeziehung! Erstens hilft das dem Kunden nicht, er wird durch solche Preisdrückerei mittelfristig und vor allem langfristig Schaden erleiden, und außerdem nennt man so etwas Erpressung.
  • Wenn unmögliches verlangt wird.
  • Wenn in Verträgen alle Rechte auf Seiten des Kunden und alle Risiken auf der Seite des Lieferanten liegen.
  • Wenn solche Verträge nicht verhandelt werden.
  • Wenn keine Entscheidungsfähigkeit vorhanden ist.

All das und mehr erlebe ich heute recht oft. Und möchte und darf ich meinen Lieferanten nicht antun.

Wolken5Hier noch ein besonders sinnloses und beliebig Aufwand und Schaden verursachendes Einkaufswerkzeug: die inversen Versteigerungen im Internet.

Das geht dann zu wie bei Ebay, nur anders herum. Die zugelassenen Lieferanten müssen zwar anonym aber öffentlich bieten.

Man steigt vernünftig ein und muss dann zum Versteigerungsende die Preise senken, um z.B. einen Rahmenvertrag zu bekommen. Die Preise gehen natürlich in den letzten Sekunden unverantwortlich und oft ruinös hinunter.

Der zum „Hammerschlag“ billigste gewinnt dann die Kategorie. Ob er dann die Aufträge erhält, ist aber noch eine zweite Geschichte.

An Stelle einer vernünftigen Verhandlungskultur wird gepokert.

Solche Spiele sind schädlich. Sie schaden dem Kunden und dem Lieferanten.

Auf so etwas darf sich ein „ethisches Unternehmen“ nicht einlassen.

Kurz gesagt:
Eine notwendige Bedingung für ein „ethisches Unternehmen“ ist, dass es einen vernünftigen Umgang auch mit seinen Lieferanten pflegt.

RMD

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