Öl, Daten und Geschichten

„Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts“.

Gebetsmühlenartig wurde in den letzten Jahren dieser Unsinn von wichtigen Leuten aus Politik und Wirtschaft wiederholt. Vielleicht war der Satz nur als Metapher gemeint und sollte sagen
„Daten werden immer wichtiger!“
Das ist nicht neu! Daten und besonders Geschichten hatten schon immer eine große Macht.

Ich möchte in diesem Artikel aufklären, was es mit DATEN, GESCHICHTEN und ÖL auf sich hat. Was sind die Unterscheide zwischen ihnen? Wo liegen die Probleme? Der folgende Artikel soll ein wenig zum Nachdenken animieren.


DATEN

Daten sind virtuell. Sie bestehen aus nackten Zahlen und Eigenschaften. Meistens bestechen sie durch Quantität, das Problem ist immer die Qualität. Trotzdem sollen sie objektives Futter für den objektiven Verstand sein. Ein kühner Anspruch! In unserer alten Ratio-Denke sind Daten die Basis für determinierte Entscheidungen und vernünftiges Handeln. Ich rate da zur Vorsicht.
Daten resultieren aus Beobachtungen (?) und Messungen (wobei das auch nicht viel besser ist) und sollen Sachbestände und Lagen klar machen. Das ist ein Problem. Sie werden genutzt, um komplexe Situationen einzuschätzen – wie zum Beispiel Risiken! Risiken sind immer eine Mischung von abstrakter Gefahr und konkreter Bedrohung. Und sollen helfen, die Gefahren besser zu erkennen und die Bedrohungen zu entschärfen und abzuwenden. In der Covid-Krise wollte man so „Die Vernünftigen vor den Unvernünftigen schützen“ (Zitat Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident). Andere wollen aus Daten die Zukunft vorhersagen. Nur: Risiken und Zukunft sind komplex, da funktionieren Daten in der Regel nicht!
Daten werden gerne als Fakten gesehen. Fakten sollen helfen, richtig zu entscheiden. Sie bewirken das Gegenteil, da sie Sachzwänge erzeugen, die Entscheidungen unmöglich machen. Außerdem:
Auch Daten kann man – wie Geld – nicht fressen.
Mit Daten kann man angeblich viel Geld verdienen. Da bin ich mir nicht so sicher. Ich kenne viele „Datengeschäfte“, die nicht die erhofften Ergebnisse gebracht haben. Bei Daten assoziiere ich Manipulation und Fälschung. Man kann mit Daten gut betrügen.
Das Gesetz hat den Menschen ein Eigentumsrecht an „ihren“ Daten gegeben. Aber ist ein „Recht auf die eigenen Daten“ nicht ziemlich blödsinnig? Wie können Attribute von mir wie mein Geburtstag oder die Farbe meiner Augen mein Eigentum sein? Woraus leite ich das Recht ab, dass meine Mitmenschen mein Gewicht wie das Gewicht meines Bankkontos nicht wissen dürfen?
Egal – wir haben jetzt ein großes Problem mit den Daten. Weil sie geschützt werden müssen, aber das nicht möglich ist, wenn man sie nutzen will. Ein Beispiel dafür ist die völlig uneffektive Corona-App.


GESCHICHTEN

Geschichten sind konstruierte Berichte. Sie packen Daten in eine narrative Hülle, die in den Köpfen zu leben beginnt. So können Geschichten die Menschen jenseits der Ratio „im Herzen“ treffen. Auch Geschichte kommt von Geschichten, denn Geschichte wird aus der Summe vieler Geschichten konstruiert. So wie die Realität als Summe von vielen „richtigen“ Beobachtungen definiert ist (Habermas). Nach meiner Meinung ist das falsch, denn auch „falsche“ Beobachtungen schaffen Realitäten. Wie will man denn feststellen, ob eine Beobachtung „richtig“ oder „falsch“ ist? Und ob die gefundene Realität tatsächlich die „am meisten richtige“ der möglichen Realitäten ist?

Die schlimmsten (andere meinen die schönsten) Geschichten finden wir in den „großen Büchern“ der Menschheit. Auch in der Bibel und dem Koran. Man sagt. „Am Anfang steht immer das Wort“. Ja, das stimmt, immer gibt es einen Gedanken, der den Beginn von etwas Neuem markiert. Und Gedanken bestehen wie Geschichten aus Worten.

Mit Geschichten kann ich viel Unsinn treiben. Ich kann Menschen beeindrucken, moralisieren, verletzen oder auch nur zum Weinen und Lachen bringen. Geschichten können Emotionen vermitteln, aufhetzen und beruhigen. Sie helfen beim Verkaufen und an die Macht kommen. Aber wie bei den Daten gilt auch hier:
Geschichten kann man – wie Geld – nicht fressen.
Aber mit Geschichten kann man viel Geld verdienen, man muss nur ein Urheberrecht einführen und durchsetzen. So verdienen heute juristische und gelegentlich auch natürliche Personen mit Geschichten unnormal viel Geld. Wir haben auch Probleme mit Geschichten. Zum Beispiel die Fake-News machen uns zurzeit fertig.
Noch eine Anmerkung: Geld besteht eigentlich auch nur aus Daten.


Öl

Öl kann kann man riechen und fühlen. Man kann den Finger rein stecken und merkt es dem Finger an! Bei der Vereinigung von Öl mit Sauerstoff (der Prozess heisst Verbrennung) werden enorme Energien freigesetzt, mit denen man Maschinen (wie Motoren und Turbinen) betreiben kann. So wurde Öl zum begehrten „Rohstoff“, mit denen „Produzenten“, Händler, Konzerne und Staaten viel Geld verdienen. Produzenten habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil der wirkliche Produzent ist ja der Planet.

Öl holt man quasi umsonst aus dem Boden raus. Das wenige Öl, das bei uns im Boden war, war schnell rausgeholt. So hat man das Öl bevorzugt in Ländern aus dem Boden geholt, die sehr viel davon hatten. Die waren meistens weit weg, so musste das Öl auf langen Wegen zu uns gebracht werden. Das war ein Teil der Entwicklung, die man Globalisierung nannte. Und die viele so ganz toll fanden.
Auch Öl kann man – wie Geld – nicht fressen.
Aber aus Öl kann man Dünger und Medikamente herstellen. Und vieles mehr. Vorzugsweise wird Öl jedoch verbrannt. Damit wir es warm haben und mobil sein können. Jetzt hat man bemerkt, dass beim Verbrennen von Öl (zu) viel Kohlendioxid freigesetzt wird. In kurzer Zeit pusten wir eine Menge davon in die Atmosphäre, für deren Erzeugung unser Planet Jahrmillionen gebraucht hat. Und langsam kapieren wir, dass das so nicht funktionieren kann. Und manche von uns meinen (dazu gehöre auch ich), dass man die Verbrennung von Öl (wie auch von Kohle) sofort stoppen sollte. Das wollen viele bei uns nicht, weil es gegen unsere Bequemlichkeit wäre. So haben wir hier ein Problem, dass wir mit Daten und Geschichten so nicht haben.


Jetzt hoffe ich mal, dass mir keiner mehr erzählen will, dass Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind.

RMD

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