Arbeit und Rente? Geld!

 

ūüôā ¬† Ich will doch gar nicht arbeiten und Rente kriegen sondern einfach nur Kohle verdienen!¬†

 

Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.
Zeche Sterkade / Sterkade Colliery. This amateur photograph was taken by an apprentice coal mining engineer, Charles Sydney Smith, of Derby, England, on a visit circa 1910-1913.

Digitalisierung.

Zurzeit bin ich viel in Sachen Digitale Transformation unterwegs. Sowohl in aktiven wie in passiven Rollen. Das meint, dass ich ab und zu dar√ľber rede und viel mehr anderen schlauen Menschen zu diesem Thema zu h√∂re.

Bei den einschl√§gigen Vortr√§gen und Reden zur Digitalisierung, dem anstehenden Wandel und den kommenden Folgen f√§llt mir auf, dass da immer viel √ľber „Arbeitspl√§tze“ gesprochen wird.

Besonders √ľber solche, die in naher Zukunft verloren gehen werden. Was nach meiner Meinung aber auch so keiner wirklich und ganz genau wei√ü.

D√ľstere Zukunft.

Und dass die Zukunft f√ľr die meisten Menschen – gerade auch in den entwickelten Gesellschaften – gar nicht so rosig aussehen w√ľrde. Vielleicht – nicht ganz √ľberraschender Weise – wird dann auch immer √ľbers BGE (bedingungslose Grundeinkommen) gesprochen bzw. dieses gefordert. Weiter h√∂re ich, dass es f√ľr die nicht-digitalen L√§ndern sowieso ganz schlecht aussehen w√ľrde.

Immer wenn ich Arbeitsplatz h√∂re, dann¬†kommen mir „ketzerische Gedanken“. Ein zentraler Punkt ist, dass ich eigentlich nie arbeiten wollte. Nat√ľrlich haben mich spannende Aufgaben gereizt. Meine „Arbeit“ nach diversen Aushilfs-T√§tigkeiten als Baby-Sitter, Nachhilfe-Lehrer, bei einer Spedition, als Nacht-Parkw√§chter oder in einer Putzkolonne war ja ab Anfang 20 das „Programmieren“, das mir aber auch immer ein Hobby war.

Alle reden von Arbeitsplätzen und BGE.

Nein, ich wollte nicht arbeiten und auch keinen Arbeitsplatz bekommen. Ich wollte Geld verdienen. Genug um meiner Familie und mir einen guten Lebensstandard zu verschaffen. Und dass m√∂glichst einfach und ohne zu gro√üe Anstrengung. Und ich wollte auch immer genug „Freizeit“ haben, um mich mit Dingen zu besch√§ftigen die mir jenseits meines „Handwerks“ wichtig waren, wie „die Familie“ und „das Leben an sich“.

So habe ich mich gefragt, auf welche Art man in diesem Lande Geld eigentlich verdienen kann. Es gibt da legal wohl nur zwei Möglichkeiten:

Der Angestellte.

Entweder bin ich bei einer Firma angestellt – und bekomme ein „Gehalt“. Dann habe ich einen „Arbeitgeber“ und (mindestens) einen „disziplinarischen Vorgesetzten“ – man betrachte die eigent√ľmlichen Begriffe. Und oft ist man dann Teil eines oft genauso eigent√ľmlichen¬†sozialen Systems.

Der Selbstständige.

Wer nicht „angestellt“ sein¬†mag, der¬†muss etwas tun, f√ľr das er Rechnungen stellen kann. Dann ist er ein „Selbstst√§ndiger“ und hat die Chance, ein klein wenig weniger vom System des Arbeitgebers vereinnahmt zu werden. Was auch schon ein Wert ist.

Es gibt¬†also die Kategorien „Angestellte“ (fr√ľher gab¬† es da auch noch Arbeiter) und¬†„Selbstst√§ndige“. Selbst√§ndiger kann ich sein, indem ich entweder ein sogenannter „Freiberufler“ bin oder ein Unternehmen gr√ľnde. Das Leben ganz allein als Freiberufler erschien mir pers√∂nlich¬†als sehr (zu) riskant – deshalb habe ich mich entschieden, mir einen Partner zu suchen und¬†ein Unternehmen zu gr√ľnden.
ūüôā Denn das Angestellten da sein war wirklich „boring“.

Die Rechtsform.

Um¬†ein¬†Unternehmen zu gr√ľnden, muss man sich f√ľr¬†eine Rechtsform entscheiden. M√∂gliche Rechtsformen sind die¬†GbR (Gesellschaft b√ľrgerlichen Rechts). Dazu z√§hle ich die OHG (offene Handelsgesellschaft) und Partnerschaften wie sie gerne von Rechtsanw√§lten, Steuerpr√ľfern, Beratungsgesellschaften etc. gebildet werden. Die w√ľrde ich wahrscheinlich bevorzugen, wenn ich wieder einmal eine Firma gr√ľnden sollte.

Weitere Rechtsformen sind¬†die klassische GmbH (Gesellschaft mit beschr√§nkter Haftung) und ihre modernen Br√ľder (Europa-GmbH, UG …), Genossenschaft und Aktiengesellschaft (AG). Die Mischformen wie KG & Co etc¬†sind f√ľr¬†meine Betrachtungen hier nicht relevant.

Eine dritte Variante neben „Arbeiter/Angestellter“ und „Selbstst√§ndiger“ ist der Beamte. Auf den m√∂chte ich nicht eingehen, da er a) eine Minderheit ist und b) zumindest was die √ľppige Altersversorgung betrifft v√∂llig aus der Rolle f√§llt.

So kommen wir zur Rente.¬†Die „Angestellten“ zahlen – unterst√ľtzt von den „Arbeitgebern“ – viel Geld in die Sozialversicherung, um sp√§ter Rente zu bekommen. Die Konstruktion des „Renten-Systems“ beruht auf Solidarit√§t und hat wie alle solche Systeme eine Ambivalenz. Jeder meint, er w√ľrde zuviel einzahlen und zu wenig rauskriegen.

Die Rente.

Die Rente wird gerne schlecht gemacht, weil sie ein unteroptimal scheinendes Preis-Leistungs-Verh√§ltnis hat. Dabei wird vergessen, dass bei disruptiven Ereignissen wie z.B. dem zweiten Weltkrieg oder dem Beitritt der DDR zur BRD die Rente oft das einzige System war, dass die Menschen √ľber die Disruptivit√§t hinaus weiter versorgt und nicht versagt hat.

Das schlechte Preis-Leistungs-Verh√§ltnis hat auch nicht nur die Rente sondern auch die privaten Vorsorgema√ünahmen¬†wie Sparen, Abschluss einer Lebensversicherung oder die ungl√ľcklichen staatlich-privaten Konstrukte wie die Riester-Rente. Das fr√ľher starke Mittel der¬†Betriebsrente als wertvolle Erg√§nzung¬†zur staatlichen Rente ist mittlerweile ein¬†Instrument aus der Vergangenheit.

Die Sozialversicherung.

Immer mehr Menschen wollen „freiberuflich“ arbeiten, um die hohen Sozialversicherungsbeitr√§ge zu vermeiden. Staat und Rentenversicherung m√∂gen das gar nicht – sie¬†legen deshalb die H√ľrden sehr hoch. Und treiben die Freiberuflichkeit mit Regeln und Gesetzen wie A√úG in die Enge und sogar in die Illegalit√§t. Die Gesetzeslage und ihre -Handhabung sind widerspr√ľchlich und es gibt da viel Unsicherheit. Grauenhaft.

Dabei gibt es ja auch eine – zwar absurd erscheinende – aber absolut effiziente und legale Methode, Sozialversicherungsbeitr√§ge zu vermeiden. Freiberufler m√ľssen sich nur zu einer Aktiengesellschaft zusammen schlie√üen und sich alle zu Vorst√§nden der Gesellschaft machen. Dann sind sie nicht nur von der Sozialversicherung befreit – nein sie ist ihnen sogar verwehrt. Und das v√∂llig legal und nach aktuellem Gesetzesstand wohl unangreifbar. Eigentlich f√ľr gesunden Menschenverstand unfassbar.

Immer weniger qualifizierte Tätigkeiten.

Die Vorhersagen von den vielen schlauen Menschen, denen ich zugeh√∂rt habe, sagen uns, dass die¬†„qualifizierten“ Aufgaben immer weniger werden und dass das „Dienstleistungs-Proletariat“ stark wachsen wird. Die Durchl√§ssigkeit durch¬†Bildungsschichten geht immer mehr verloren Das hei√üt, dass¬†in Zukunft die qualifizierten Menschen immer mehr aus der Oberschicht kommen. Das sind dann auch die typischen¬†Erben. Die brauchen kein Einkommen mehr und k√∂nnen so wirklich „aus Spa√ü an der Freude“ arbeiten und Zeit in sch√∂ne Dinge investieren, um dann in Zukunft vielleicht mal so richtig zu profitieren. Oder eben nicht.

Umsonst arbeiten.

Und es werden immer mehr Menschen, die qualifiziert wirken aber umsonst arbeiten. Damit meine ich Menschen, die es „for free“ machen. Und zwar meine ich hier nicht die vielen Ehrenamtlichen wie sie in Vereinen und in der Gesellschaft wirken. Und auch nicht die ausgebeuteten jungen Leute der Generation „Praktikum“.

Sondern junge und alte Menschen, die etwas f√ľr die Zukunft machen, ohne Vertrag und ohne Rechnungstellung. Ich bin auch so einer. Ich meine, dass ich einiges bewege und versuche, Menschen und Unternehmen zu helfen, gl√ľcklicher und erfolgreicher zu werden.

Aber eben nicht gegen Geld. Sondern weil ich hoffe und wei√ü, wie viel davon zur√ľck kommt. Und ich die Gewissheit in mir trage, dass ich dabei soviel Kontakte und Wissen gewinne, dass das irgendwann mal so richtig Geld bringen wird, also sich auch monet√§r lohnen wird. Wenn ich z.B. in das richtige Start-Up investiere oder eine gro√üe Rechnung schreiben kann, f√ľr einen wesentlichen Mehrwert, den ich erbracht habe. Und so die Arbeit zu einem spannenden und sch√∂nen Spiel wird.

Ich kenne da eine Reihe von Menschen, die das auch so machen. Die sind oft j√ľnger als ich. Sie machen unentgeltlich einen Super-Job. Weil sie wissen, dass es sich fr√ľher oder sp√§ter auch materiell lohnen wird. So kenne ich¬†auch junge Unternehmer, die ihre Gr√ľndung eines Start-ups sehr ernst nehmen und mit gro√üem Engagement diesen voran bringen. Die sich aber √ľber ihren Lebensunterhalt √ľberhaupt keine Gedanken machen – weil sie z.B. als Erben Kohle genug haben.

Keine rosigen Aussichten?

Das alles d√ľrfte Zukunft werden – immer mehr arme Menschen, die sich durch die Aus√ľbung sehr einfacher T√§tigkeiten so gerade noch √ľber Wasser halten¬†k√∂nnen und immer weniger Menschen, die mit oder ohne Einkommen aus ihrer T√§tigkeit so richtig Spa√ü an der Arbeit haben und immer reicher werden. Ehrlich gesagt, w√§re das eine Zukunft, die viele Fragen aufwirft und mir Sorgen macht.

Erfolgsrezepte:

Hier noch zwei positive Empfehlungen, wie man am besten Geld verdient:

  • Immer mehr geben als nehmen!
    und
  • Muster brechen!

Dazu schreibe ich dann in B√§lde einen weiteren Artikel inklusive einer Empfehlung von Gebhard Borck wie man am besten seinen eigenen Preis (Wert) finden kann …

RMD

P.S.
Sehr lesenswert dazu sind in Wikipedia die Artikel zu Industrialisierung und Digitalisierung.

So ist das Foto auch aus Wikipedia und zwar von¬†AspdinOwn work by uploader (own original personal amateur photograph by ancestor). Es zeigt die¬†Zeche Sterkrade, das Foto ist zirka von 1910‚Äď1913, freigegeben unter¬†CC BY-SA 3.0.

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