Im Rahmen der 1000-Jahrfeierlichkeiten in Rodenbach bei Hanau, trat auch die Autorengruppe Wortspieler mit ihrem „Jubiläumsgetuschel“ auf. Der Autor war bei diesem sehr erfolgreichen Auftritt mit vier Beiträgen dabei: Carl und Gerlinde (90), hat er schon im Blog gebracht, so dass nach der ‚Lyrischen Analyse‘ und diesem Beitrag noch ein letzter in ein paar Tagen kommt.
Auf dem Foto von links nach rechts : Detlef Knoll, Irene Weingärtner, Martina Tornow und der Autor Klaus Hnilica.
Rodenbach und das Osmanische Reich
Kaffeeklatsch in der Eisdiele ‚Venezia‘ mit Kurt (Klaus), seiner Frau, Monika (Irene), der Niederrodenbacherin Hanna (Martina) und dem Oberrodenbacher Sascha (Detlef)
Hanna: Also Kurt, ich fand deinen Überblick, den du unlängst bei der „Dingsda“ – also der Bürgerversammlung – gegeben hast, über die 1000-jährige Geschichte Rodenbachs, einfach super! Ich kann dir dazu nur gratulieren…
Kurt: Danke, Hanna, das freut mich!
Sascha: Ja – ich fand ihn auch richtig gut! Und ich mein‘ sogar den sollte man unbedingt irgendwie bei den Jubiläumsfeierlichkeiten unterbringen.
Monika: Oh Gott bitte nicht…
K: Wie – Monika – dein kritischer Geist sträubt sich dagegen…?
M: Bei mir sträubt sich nicht nur mein Geist dagegen, Kurt, mir wird sogar richtig übel, wenn ich nur im Entferntesten daran denke…
K: War es wirklich ‚sooo‘ schlecht, Monika, was ich da von mir gegeben habe?
M: Also Kurt, nichts für ungut, ich will ja nicht sagen, dass du schlecht vorgetragen hast – oder der Aufbau dieses historischen Überblicks so schlecht gewesen ist…
K: Was willst du denn sagen, meine liebe Monika?
M: Ich will damit sagen – aber das weißt du ja auch – dass für mich jedes Gespräch über Rodenbach, dass länger als 5 Minuten dauert eine Quälerei darstellt…
K: Monika heißt das, dass du nicht nur, wie in anderen Fällen, sondern auch was Rodenbach betrifft unter einer „xekatharizo-ryaki-phobie“ leidest, wie der Mediziner sagen würde – also einer ausgesprochenen „Rodenbachangststörung“?
M: Nein Kurt das heißt es natürlich nicht: aber es heißt, dass ich nur in Rodenbach bin, weil du hier sein willst!
K: Danke für diese Gnade, liebe Monika…
H: Aber Monika, jetzt einmal unabhängig von euren persönlichen Rodenbachproblemen, ist es nicht doch irgendwie nett, wenn man in so einem 1000-jährigen Rückblick über Rodenbach erfährt, dass 1025 als Rodenbach erstmals, urkundlich belegt, aufscheint, deine Lieblingsstadt Wien mit geschätzten 8000 Einwohnern sogar noch kleiner als Rodenbach heute war!
M: So – findest du?
S: Ich finde das auch nett, wenn ich das einmal anmerken darf! Und mir gefiel auch, dass Kurt den Rodenbacher „Konrad Lerch“ in Erinnerung rief, der 1768 in Niederrodenbach geboren wurde und daher leider kein Krumbeer war, aber sich immerhin 1787 als kaiserlich – österreichischer Soldat anwerben ließ, im Krieg gegen die Türken gekämpft hat, und nach Kriegsende in 4 Briefen seine Frau bat mit ihrem Kind zu ihm nach Rodenbach zu kommen, was diese aber angesichts der massiven Einflüsterungen ihrer Verwandtschaft dann doch nicht wagte…
M: Jetzt fehlt nur noch die Meldung, dass dieser „Konrad Lerch“ auch das damalige Ende des Osmanischen Reiches herbeigeführt hatte.
S: Nein das hat er nicht und das wäre auch extrem unwahrscheinlich gewesen, da er ja als Niederrodenbacher ein Rabrunke war, und kein Krumbeer! Aber abgesehen davon, wäre Rodenbach sicher nicht Rodenbach geblieben, wenn er das damals geschafft hätte?
M: Nein bestimmt nicht denn die Einwohnerzahl wäre im Jahr 1800 in NR sicher hochgeschnellt von den damaligen 757 auf glatte 760 und in OR von satten 168 auf bestimmt 170, während zum Beispiel Wien damals erst läppische 270.000 Einwohner hatte…
K: Monika es reicht – heb dir doch noch etwas Gift für später auf – und erzähl lieber, dass 1808 am 12. Dez. durch das Wirken Napoleons auch in Rodenbach die Leibeigenschaft abgeschafft wurde und alle ehemaligen Leibeigenen die gleichen bürgerlichen Rechte bekamen…
M: Kurt du willst ja mit diesem Humanitäts-Schnickschnack nur davon ablenken, dass die Rodenbacher den gewaltigen Anstieg der Einwohnerzahl von geschätzten 5 Personen nur deswegen geschafft haben, weil trotz etlicher Seuchen, wie Pest und Pocken, und zahlreicher Kriege mit Einquartierungen und Durchzug ausländischer Truppen, auch etliche Einwanderer aus Kärnten, Salzburger Land und sogar der Schweiz sich einfanden…
H: Sag Monika von wo weißt du denn das alles – du weißt ja mehr als alle Rodenbacher zusammen über Rodenbach…
S: Ja könnte das nicht sogar ein Anzeichen dafür sein, dass Sie, Monika, im tiefsten Grund Ihres Herzens nicht doch heimlich verliebt sind in dieses verfluchte Rodenbach, sowie dieser etwas eigenartige Niederrodenbacher Willi aus Wien, den ich manchmal im Ort treffe!
M: Nein Sascha, abgesehen davon, dass ich diesen komischen Niederrodenbacher Willi aus Wien gar nicht kenne und auch gar nicht kennen will, spüre ich keinerlei noch so heimliche Liebesneigung zu Rodenbach und mein Wissen über Rodenbach schafft auch einen sicheren Schutzschild, dass keine derartige Neigung entsteht…
H: Und von wo weißt du jetzt wirklich so viel über Rodenbach?
M: Tja dieses Wissen hab‘ ich – und Kurt bitte herhören, ich sage jetzt ausnahmsweise etwas Positives über Rodenbach – aus einem Buch: Aus der zugegebener Maßen nicht schlechten Bibliothek des Medien Treffs…
S: Und was ist das für ein schlaues Buch?
M: Tja – typisch Sascha, dass Sie als Rodenbacher dieses Buch nicht kennen – es ist nämlich eine Veröffentlichung des Rodenbacher Geschichtsvereins aus dem Jahr 1993, von einem Michael Paap, und heißt „Chronik der Gemeinde OBER – und NIEDER – RODENBACH von 1025 – 1945“.
S: Oh – interessant! Sogar sehr interessant! Nein kenne ich nicht…
H: Nein kenn‘ ich auch nicht, klingt aber echt interessant…
K: Sascha und Hanna – ihr könnt dieses Buch auch gar nicht kennen, ja ihr habt auch gar keine Chance es vielleicht in Zukunft kennenzulernen: denn für dieses Buch hat meine liebe Monika eine Art Dauerverleih abonniert, weil sie diese Chronik auswendig lernen will…
M: Ha ha – sehr lustig!…
S: Und wird in dieser Chronik auch etwas ausführlicher über die Hexenprozesse und Hexenverbrennungen berichtet, die ja in Rodenbach auch stattgefunden haben sollen?
M: Ja Sascha – diese Frage nach der Hexenverbrennung ist typisch für euch Männer! Und die Antwort ist ja die haben stattgefunden: in den Jahren 1626/1627 gab es nach zahlreichen Missernten von mehreren Untertanen des Petersstifts, in dessen Verwaltungsbereich auch Oberrodenbach fiel, immer wieder die Forderung endlich Hexenprozesse in Gang zu setzen, die dann auch stattfanden und bei denen letztlich 11 namentlich bekannte Oberrodenbacher und Oberrodenbacherinnen hingerichtet wurden…
S: Und wie wurden diese Hexen hingerichtet?
M: Na ja verbrannt, wie das halt damals üblich war. Aber damit ich jetzt da nicht weiter in Details gehen muss, werter Sascha und bevor Sie und andere sich da jetzt nicht mit diversen Vermutungen herumquälen müssen, will ich gleich meine persönliche Einschätzung nachschieben, die euch vermutlich allen auf der Zunge liegt: ja ich wäre bestimmt zu der damaligen Zeit in Rodenbach – genauer Oberrodenbach – auch auf dem Scheiterhaufen gelandet…
K: Na na na – Monika was soll denn das jetzt? Sollen wir etwa in Wehklagen ausbrechen…
M: Kurt – ich sag ja, das ist meine rein persönliche Einschätzung, und jetzt möchte ich euer Kaffeekränzchen nicht unnötig in Unruhe versetzen und mich verdünnisieren.
Gell Kurt und du übernimmst die Rechnung! Weil sonst kommst du als Zechpreller möglicherweise mit mir auch noch gleich auf den Scheiterhaufen…
K: Aber gern Monika! Und ich bleib noch ein Weilchen, ich möcht‘ nämlich noch ein Eis essen, wenn du nix dagegen hast!
M: Nein, nein mach nur! Und entschuldigt mich! Tschüss alle anderen!
Alle anderen: Tschüss Monika!! Du tapfere Hexe…
KH 14.04.2024