In diesem meinem letzten IF-Blog-Artikel (siehe oben habe ich gefordert, dass wir auch unser privates und sozialen Werte-Bewußtsein wie die dazugehörigen gesellschaftlichen Gestaltungs-Prinzipien (auch design genannt) und Prozessen / Methoden immer pflegen und weiterentwickeln müssen, um sie zu erhalten und bewahren. Das gilt auch für unser Weib (Werte, Erwartungen, Ineressen und Bedürfnisse).
Denn wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, der trägt diese am falschen Körperteil. Mein Freund und Partner Wolfgang Baldes ist ein Mensch, der sich glücklicher Weise nur selten ausruht. Weil er auch weiß, dass „wer rastet der rostet!“
Deswegen hat er sich aus seinen „Hintern gesetzt“ (nicht auf seine Lorbeeren) und folgenden Artikel geschrieben. Lassen wir den Wolfgang zu Worte kommen!
Handle …
Handeln umfasst nicht nur Tathandeln, sondern auch Sprach- und Ausdruckshandeln.
… und entscheide …
Jede Entscheidung hat Handlungsfolgen:
- Ob ich handle oder nicht handle.
- Ob ich so oder anders handle.
Die Relevanz einer Entscheidung wird an ihren Handlungsfolgen bemessen: Sind sie biophil oder nicht biophil?
… so …
Die Biophilie-Maxime ist keine materiale, sondern eine formale Ethik: Es geht um das So, weniger um das Was. Diese Ethik ist primär teleologisch – auf das Ziel ausgerichtet; deontologisch (aus sich heraus gut und verpflichtend) erst auf die Qualität der jeweiligen Handlung bezogen.
Die deontologische Perspektive betont die moralische Verantwortung des Handelnden selbst, unabhängig von den Konsequenzen. Beispielsweise könnte eine Person moralisch verpflichtet sein, nicht zu lügen, selbst wenn das Lügen ‚bessere‘ Konsequenzen hätte. Deontologische Theorien gehen davon aus, dass es bestimmte Handlungen gibt, die in sich schlecht und daher verboten sind, unabhängig von ihren potenziellen (moralisch oder außermoralisch) positiven Folgen.
… dass du durch dein Handeln und Entscheiden …
Die jeweilige Handlung muss in sich gut sein, aber ausgerichtet auf das Ziel. Die Entscheidung kann sich erst aufgrund ihrer Handlungsfolgen werten lassen.
… eigenes und fremdes …
Seit jeher strebt der Mensch danach, das eigene Leben zu mehren. Damit sichert er sich seinen Platz in der Evolution. Als soziales Wesen bleibt er angewiesen auf andere und erkennt darin, dass er das eigene Leben nicht egoistisch, sondern nur im Zusammen mit anderen Menschen mehren kann. Diese Erfahrung macht er, wenn er das Leben anderer Menschen mehrt. Damit mehr er auch das eigene. Er steht nicht nur in einem vitalen Zusammen mit der eigenen Sippe, dem eigenen Stamm, dem eigenen Volk, sondern global im Kontext mit allen Menschen, der Menschheit, ja vielleicht im Kontext mit allem, was lebt.
Siehe dazu Edward O. Wilson (1929-2021), US-amerikanischer Biologe: Biophilia. Die Biophilie-Hypothese (1984) (auch BET genannt) besagt, dass Menschen eine angeborene Neigung haben, Verbindungen zur Natur und zu anderen Lebensformen zu suchen.
… personales Leben eher mehrst als minderst.
umfasst alle Dimensionen menschlichen Lebens: physisches, psychisches, soziales, intellektuelles, geistiges, kulturelles, künstlerisches, sittliches, religiöses Leben.
Die Biophilie-Maxime ist wie der Kategorische Imperativ Kants formal (v.a. über die Menschenwürde, der Mensch als Zweck, niemals als Mittel). Sie muss in jeder Situation vom Handelnden neu ausgelegt und mit Leben gefüllt werden. Sie ist außerdem transsystemisch. Sie wird nicht von einem sozialen System entwickelt, das meist nur den eigenen Selbsterhalt zum Ziel hat, und gilt nicht ausschließlich innerhalb eines sozialen Systems, sondern immer und unter allen Umständen, universal. Obwohl teleologisch ausgerichtet, ist sie darin selbst deontologisch.
Wolfgang Baldes (Zu Beginn Jahres 2026)
Wie ich finde, ist das eine wunderschöne und gut verständliche aktuelle Notation des Biophilie-Postulats (also auch der Biophilie-Maxime). Da am Ende dieses Text die Biophilie-Maxime als deontologisches Prinzip bezeichnet wird, hat sich Wolfgang allerdings ein wenig gescheut, diesen Text zu veröffentlichen.
Denn – wie auch ich – ist Wolfgang eher skeptisch, was die Deontologie angeht.
Man nehme zum Beispiel das Problem, dass uns die „Notlüge“ bei dem Thema WAHRHEIT verursacht. Wird die Lüge nicht zur ethischen Pflicht, wenn man dank ihr mit wenig Mühe – und kleiner aber feiner Unredlichkeit – enorm großes Leid vermeiden kann? Da kommt man doch in einen Rechtfertigungszwang, nicht zu lügen.
Aber dieses Problem mit der Deontologie hätten wir gar nicht. wenn uns nicht immer das Grauen erregende Gebirge von SCHULD und SÜHNE mit seinen Gipfeln RACHE und VERGELTUNG bedrohen würde. Dann könnte man „gut sein“ aus gelebter Selbstverständlichkeit und müsste es nicht aus Furcht vor STRAFE sein.
RMD