Wir (BALDES / DÜRRE) haben ja das biophile Lesebuch Vom glückendem Leben als große Metapher für Biophilie herausgeben. Und Geld gesammelt, um den kostenfreien Download für alle zu ermöglichen. Wir wollen damit für die Philosophie der Biophilie werben und an Rupert Lay, dem Nestor der Biophilie erinnern. Ich habe ja hier laufend darüber berichtet – wie auch über die posthume Herausgabe des Werkes von Rupert Lay Im Kerker des Selbstverständlichen – Ein Befreiungsversuch als Hörbuch.
Die Texte tragen wir auch gerne in kommentierten Lesungen vor. Die letzte haben wir am 10. Februar 2026 in Hohenbrunn im Südosten Münchens gehalten. Die Rückmeldungen waren sehr schön. Frau Lunemann, Bürgermeisterkandidatin der Grünen in Hohenbrunn und Riemerling, hat in ihrem Blog davon berichtet.
In Hohenbrunn haben wir auch das
Das Glück nicht zerstören (ein chinesisches Märchen)
vorgetragen:
Als der Krieg zwischen den beiden benachbarten Völkern unvermeidbar war, schickten die Feldherrn von beiden Seiten Späher aus, um zu erkunden, wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könnte. Die Kundschafter kehrten zurück und berichteten auf beiden Seiten dasselbe: Es gebe nur eine Stelle an der Grenze, die sich dafür eigne. „Dort aber“, sagten sie, „wohnt ein braver kleiner Bauer in einem kleinen Haus mit seiner anmutigen Frau. Sie haben einander lieb, und es heißt, sie seien die glücklichsten Menschen auf der Welt. Sie haben ein Kind. Wenn wir nun über sein Grundstück marschieren, dann zerstören wir das Glück. Also kann es keinen Krieg geben.“
Das sahen die Feldherren ein, und der Krieg unterblieb, wie jeder Mensch begreifen wird.
(Aus: Rupert Lay: Ich halte die Zeit an. Ein Buch, zu sich selbst zu finden, Hildesheim (Bernward Verlag) 1991, S. 46)
Diese Geschichte kam extrem gut an. Sie war sozusagen der Favorit unserer Lesung und viele Menschen zum intensiven Nachdenken und auch zum Weinen gebracht.
Mich hat das chinesische Märchen angeregt, ein globales Märchen zu schreiben. Hier ist es:
„Am Gemeinsam zerbricht die Macht“ (globales Märchen)
Als die „boy group“ sich gründete und Beatles nannte, beschlossen die vier Jungs, alles gemeinsam zu machen. Die Entscheidungen sollten immer einstimmig sein.
Sie wurden sehr erfolgreich, ihre Lieder eroberten die Herzen der Welt.
Auf ihrer ersten US-Tour (1964) traten sie in Jacksonville (Florida) auf. Dort herrschte Rassentrennung. Auch im ausverkauften Stadion sollten Schwarze und Weiße getrennt bleiben. Schon vor dem Konzert war die Begeisterung riesig, die Nachfrage entsprechend hoch.
Die vier Jungs hatten beschlossen:
“In einem Stadion mit Rassentrennung treten wir nicht auf! Das ist unser einstimmiger Beschluss!”
Die Administration hob die Rassentrennung für das Beatles-Konzert auf. Denn der Gouverneur wusste, die big four hatten das einstimmig beschlossen. Sie würden sich gar jetzt nicht mehr anders entscheiden können. Und Jacksonville wurde zu einem Symbol für die erste Großveranstaltung ohne Rassentrennung in der USA.
Meine Interpretation der Geschichte der “Beatles”:
Einigkeit macht stark.
Dieses globale Märchen habe ich natürlich angelehnt an das chinesisches Märchen „Das Glück nicht zerstören“. Das mir – ehrlich gesagt – auch besser gefällt. Und das man auch im biophilen Lesebuch von BALDES / DÜRRE auf Seite 152) findet.
RMD

