Kapitel 12

Vorgeschlagen

Und die Susl war tatsächlich nach einer Woche zur Stelle!

Sie tauchte wie ein U – Boot plötzlich vor Koblewski auf und steckt ihm wortlos einen Schlüssel zu.

Koblewski nahm das Ding, trat in den Lichtkegel der nächsten Straßenlaterne, und war enttäuscht, denn da  war nicht viel zu sehen: es war ein Schlüssel wie es Tausende gab, mit einem kleinen Autoreifen als Anhänger.

„Den hab‘ ich in seiner Hosentasche gefunden“, ereiferte sich die Susl, „alles andere war nur Mist! Ich weiß aber nicht, ob der Schlüssel was taugt!“

Koblewski schwenkte nachdenklich seinen Kopf und brummte „Hm-hm-hm und na ja, mal sehen was das gibt!“

„Kann ich den Schlüssel behalten?“ fragte er noch.

„Höchstens ein paar Tage! Denn wenn der Udo plötzlich danach sucht könnte das schnell ziemlich blöd werden“.

„Okay“, sagte Koblewski und kratze sich so lange am Kopf, bis ihm offensichtlich etwas eingefallen war.

„Pass auf, wir tun den Anhänger runter und du machst den auf einen ähnlichen Schlüssel drauf und steckst ihn dem Udo wieder in die Hosentasche. Und ich werde versuchen von dem Schlüssel so schnell wie möglich ein Duplikat machen zu lassen, das geht in einer halben Stunde!

Der Susl gefiel der Vorschlag, ihr verkniffenes Gesicht hellte sich etwas auf.

„Dem Udo geht es schon viel besser“, sagte sie plötzlich, „er ist jetzt schon den ganzen Tag auf und ganz gut drauf!“

„Na das ist ja prima“, sagte Koblewski, ohne zu wissen, ob er das wirklich ehrlich meinte.

Der blöde Schlüssel war schwer von dem noch blöderen Anhänger herunterzubringen. Als auch vom rechten Mittelfinger der Fingernagel abgebrochen war, hatte Koblewski es endlich geschafft

Er versuchte ein freundliches Gesicht zu machen und gab der ´Susl´ den Anhänger zurück, sie versuchte das mit dem Gesicht auch, als sie ihn entgegennahm und stapfte dann mit ihren Kötern davon.

Beim Frühstück musste Koblewski echt Überzeugungsarbeit leisten: Susanne sträubte sich buchstäblich mit Händen und Füßen, einen Nachschlüssel anfertigen zu lassen.

„Ich will mit dieser Sache nichts zu tun haben, Karl! Wann begreifst du das endlich! Ich mein das wirklich ernst. Und du kannst mir glauben, wenn das wieder so etwas wird, wie diese Steinbruch – Geschichte dann zieh ich mit dem Niki zu meiner Mutter!“, sagte sie und der rote Fleck am Hals zeigte Karl, dass sie ziemlich erregt war.

„Bleib doch bitte ruhig, Susanne“, sagte er, „du siehst ja, dass ich mich total zurückhalte! Das mit dem Udo, war doch ein reiner Akt von Nächstenliebe und bei der Schlüsselsache geht es doch nur darum, dass wir Kikis Kontra – Bande etwas unterstützen!“

Susanne bat Niki, sie einmal fünf Minuten mit Papa etwas besprechen zulassen ohne, dass er ständig dazwischen quatschte.

„Und außerdem“, sagte Koblewski nicht ohne einer gewissen Zufriedenheit, „ist unser Status in Rodenbach doch heute ein ganz anderer als vor einem Jahr, so eine Hetzerei gegen uns, wie damals, wird es mit Sicherheit nicht mehr geben, dazu sind wir inzwischen viel zu angesehen!“

Susanne war da weit weniger zuversichtlich. In ihren Augen war die Gunst der Menschen in Rodenbach eine höchst labile Angelegenheit, die jederzeit schnell kippen konnte.

„Überhaupt, wenn man eigene Wege geht, was du ja gerade wieder tust, lieber Karl! Und du weißt doch, das mögen die Rodenbacher gar nicht, wie dir damals dein lieber Freund, der Bürgermeister, mit großem Nachdruck doch versichert hat!“ stellte Susanne einmal mehr mit der ihr eigenen Ironie fest, ließ aber dann doch einen Zweitschlüssel im Wasa – Markt anfertigen, da Karl ja wirklich keine Zeit hatte und außerdem noch zu einem Sicherheitsseminar nach E. musste!

Ja – und als der Nachschlüssel dann endlich auf dem abendlichen Tisch lag, war man auch nicht viel schlauer! Immerhin musste zu dem Schlüsselchen nun das passende Schlösschen gefunden werden.

„Aber das herauszufinden“, sagte Karl Koblewski mit einem breiten Lächeln, „ist wohl die ehrenvolle Aufgabe der Kontra–Bande!“

Kiki ließ sich durch das Gegrinse ihres Papas nicht verunsichern, sondern nahm den Schlüssel mit der Gelassenheit eines Westernheldes entgegen und schwirrte ab in die Garage zu ihrer Bande.

Die Kontra–Bande war von dem neuen Aktionsziel begeistert!

Mit größtem Eifer wurde sofort ein gemeinsamer Plan ausgearbeitet und außerdem ließ man auf Kosten der Bande noch sechs weitere Duplikate anfertigen, so dass jedes Bandenmitglied einen Schlüssel hatte.

Damit alles noch schneller ging, schlug Lutz vor, Rodenbach in sieben Suchgebiete aufzuteilen und durch Auslosung festzulegen, wer welches Gebiet zu durchsuchen hatte.

„Außerdem“, sagte Kiki, „verlange ich von jedem Mitglied, dass so raffiniert gesucht wird, dass niemand in Rodenbach auch nur den kleinsten Verdacht schöpft.

Und natürlich könnt ihr auch zu zweit, die einzelnen Gebiete abarbeiten, wenn euch das lieber ist, wichtig ist nur, dass wir schnell zu einem Ergebnis kommen!“

Kiki war froh, dass niemand so genau gefragt hatte, wie sie an den Schlüssel gekommen war, das machte alles etwas leichter und ihr Papa schlief vielleicht etwas ruhiger, soweit er überhaupt schlief!

 

Diese Schlosssuche entwickelte sich zu einem echten Abenteuer, denn es gab immer wieder Leute, die durchdrehten, wenn sie fremde Kinder n ihren Kellern, oder an diversen Gebäuden ihrer Häuser herumsuchen sahen.

Und bei bissigen Hunden war ohnehin nichts zu machen, aber da konnte ja der Udo auch kein Versteck angelegt haben.

Fast jeden Tag wurde bei den Bandentreffs Bericht erstattet. Gelegentlich waren es haarsträubende Dinge, die die Kontras erlebt hatten, und es schien fast, als wollte einer den anderen mit seiner Abenteuerlust übertreffen!

Kiki musste ihre Pappenheimer immer wieder ermahnen, sich in ja keine riskanten Geschichten einzulassen; dazu stand viel zu viel auf dem Spiel, und außerdem durfte keiner von ihnen zu Schaden kommen.

Kiki war aber auch froh, dass die Kontras vor lauter Freude an den Abenteuern, die sie erlebten nicht zu bemerken schienen oder nicht bemerken wollten, dass sich die ganze Suchaktion immer mehr als ein riesiger Flop erwies! Weit und breit war von einem passenden Schloss nichts zu sehen, obwohl alles brav rauf und runter abgesucht worden war!

Irgendetwas musste sie sich als Chefin einfallen lassen! Zumindest sang sie jeden Abend ihrem Papa die Ohren voll, dass die ganze Sucherei nichts brächte.

Der versuchte zwar anfangs das Gejammer an sich abprallen zu lassen, erklärte sich aber dann doch bereit, einmal im Kraftwerk, die Schlosser in der Schlosserei zu befragen, ob die was zu den möglichen Schlössern sagen könnte; aber da war nichts, der Schlüssel war zu gewöhnlich, der konnte in jedes beliebige Schloss passen und auch in den verschiedenen Fachgeschäften in denen er war, konnte man ihm auch nicht weiterhelfen.

Tja das war ziemlich hoffnungslos wie es ausschaute!

Susanne Koblewski konnte sich eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen, wenn sie ihre beiden Kriminalisten mit hängenden Nasen beim Frühstück sah! Ein Glück nur, dass Niki noch so klein war, sonst hätte der womöglich auch noch bei dem lustigen Detektivspiel der Koblewskis mitgemacht.

Sie sagte, „wie ihr wisst will ich ja von dem ganzen Schmarren nichts hören, aber ein bisschen wundere ich mich schon, warum noch keiner von euch beiden Meisterdetektiven auf die Idee gekommen ist, dass vielleicht der Schlüsselanhänger vom Udo weiterhilft, das war doch, wie du erzählt hast, Karl, ein kleiner Autoreifen, wenn ich mich recht erinnere?

„Ja und was willst du uns damit sagen, liebe Susanne?“, konterte Carl etwas süffisant

„Ich will damit einfach nur sagen, dass man sich vielleicht bevorzugt Einrichtungen anschauen sollte wo etwas mit Autos gemacht wird“, sagte Susanne.

„Na ja, besonders originell finde ich deinen Beitrag jetzt nicht, aber bitte, vielleicht helfen auch unoriginelle Ratschläge weiter!“, sagte Karl sichtlich genervt von der blöden Schlüsselgeschichte.

„Könnte es sein, dass es Leute gibt, die vor lauter Bäume den Wald nicht mehr sehen“, schob Susanne Koblewski noch nach und verordnete sich dann selbst wieder das übliche eisige Schweigen zu der ganzen Udo – Sache.

Kiki Koblewski plapperte beim nächsten Bandentreff in der Garage einfach das nach, was ihre Mutter gesagt hatte. Und siehe da, auch die anderen fanden den Vorschlag prima. Schneller als erwartet wurde einstimmig beschlossen, alle Gebäude, die irgendetwas mit Autos oder Motorräder zu tun hatten, unter die Lupe zu nehmen.

Natürlich auch die Sandbahn!

Und ausgerechnet von dieser Sandbahn kam schon bald die erste Erfolgsmeldung! Benedikt und Ebru stellten bei einer ersten Inspektion gleich fest, dass da beim Eingangstor der Schlüssel zwar passte, sich aber nicht drehen ließ, das heißt ein Sperren war nicht möglich! Aber immerhin ein erster Schritt!

Unangenehm war allerdings, dass man über einen ziemlich hohen Drahtzaun klettern musste, um überhaupt in die Anlage hinein zu kommen, denn das Eingangstor ließ sich leider nicht aufsperren mit dem Schlüssel und ein größeres Loch im Zaun konnten die beiden auch nicht finden, obwohl ja sonst alles etwas vergammelt wirkte. Das ganze Gelände war ziemlich weitläufig und um die eigentliche Sandbahn standen eine Reihe gemauerter Häuschen, an denen bei Rennen Eintrittskarten und Getränke verkauft wurden. Und bei einem dieser Gebäude, und zwar beim Schäbigsten und Baufälligsten, passte tatsächlich der Schlüssel. Ebru und Benedikt leisteten sich einen unterdrückten Jauchzer und ein kleines Freudentänzchen, als der Schlüssel im Schloss steckte und bei dem Versuch zu drehen nicht klemmte, sondern tatsächlich nachgab. Benedikt drehte einmal, zweimal und schaute dann mit einer Mischung aus Bangigkeit und Sorge zu Ebru,

„Geh’ in Deckung!“ flüsterte er

Ebru ließ sich auf den Boden fallen und er huschte um die Ecke, um nochmals das Gelände zu inspizieren.

Aber da war niemand! War auch nicht weiter verwunderlich, denn wochentags kam hier nie jemand vorbei und an so einem trüben und nebligen Tag schon gar nicht!

Zaghaft und ängstlich versuchten sie dann die Tür zu öffnen, die auch tatsächlich aufging – etwas schwer, aber sie ging auf! Blitzschnell zwängten sie sich durch den offenstehenden Spalt hinein und schlossen die Tür wieder.

„Puhh finster“, sagte Benedikt und drehte seine Taschenlampe an l

„Nicht so herumwackeln“, mahnte Ebru und griff nach Benedikts Hand, „man sieht ja sonst nichts“!

„Gibt eh nichts zu sehen, außer leeren Kartons, oder ist in irgendeinem noch etwas drinnen?“

„Ne, aber es sind immerhin Kartons, in denen Radios und Fernsehgeräte waren“!

„Interessant!“

„Ja schon.“

„Und Mäusekacke und Mauerasseln gibt’s auch!“

„Ähh ekelig!“

„Und was haben wir denn da?“ sagte Benedikt, der kleine Pfadfinder, plötzlich und hielt triumphierend ein blaues Bonbon Papierchen hoch!

„Eine reife Leistung, echt Benny“ jubelte Ebru und schlug sich gleich disziplinierend selbst auf den Mund! Man konnte ja nie wissen!

Sie fand ohnehin, dass sie schon lange genug hier drinnen waren. Und zu finden gab es eh nichts mehr! Außerdem hatten sie schon mehr entdeckt als sie sich zu erträumen gewagt hatten! Das sah auch Benedikt so und blies auch zum Aufbruch!

Ebru öffnete vorsichtig die Tür, streckte ihren Kopf raus und musterte wie ein Mäuschen die große Welt. Da sich nichts rührte huschte sie hinaus und Benedikt kam geduckt hinten nach. Bevor sie aber endgültig abhauten, sperrten sie wieder zu und verwischten sorgfältig alle Spuren.

Als Ebru dann noch einmal das Umfeld checkte, entdeckte sie plötzlich doch ein Loch im Zaun, und zwar an der Seite wo der Bretterverschlag war. Von innen konnte man ganz deutlich sehen, dass vier Bretter nur lose angenagelt waren; die stark verrosteten Nägel standen fast zur Hälfte raus. Und wenn man das Schlupfloch einmal kannte, sah man auch unschwer so etwas wie einen Weg dahin

Jedenfalls meinte Benedikt das, der sich schon ein bisschen ärgerte, dass Ebru dieses Schlupfloch entdeckt hatte.

Er bat sie, die Taschenlampe zu halten und löste von innen zwei der Bretter vom Zaun, das reichte und ging ganz leicht. Als sie beide draußen waren griff er rein und drückte die beiden Bretter nacheinander oben und unten wieder an die Querstreben.

So ging das ja ganz leicht! Ein idealer Eingang, und nach den Spuren auch außerhalb der Umzäunung zu schließen, war er auch schon öfters benutzt worden! Von wem auch immer!

KH

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